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Eckpunkte-Rhetoriker


von Marcus Knill

Politiker wissen "Airbagrhetorik" - Methoden zu schätzen mit der sie sich dank nichtssagender Worte "warmer Luft" schützen können und unangenehme Fragen mit Leerformeln - gleichsam "polsternd" - beantworten können.

So lässt sich recht lange reden, ohne etwas zu sagen. Man ist dank dieser "Quasselmethode" auch nie angreifbar. Weil sich die Politiker bei heiklen Sachfragen, wie beispielsweise bei der Gesundheitsreform in Deutschland, nie eindeutig festlegen möchten, hat sich bei den "Airbagrhetorikern" jüngst eine neue Untergruppe etabliert, die so genannten "Eckpunkte"-Rhetoriker. Wer ausweichen will, spricht einfach von festgelegten Eckpunkten. Ohne diese Eckpunkte zu erläutern. "Eckpunkte" klingt stets kompetent und wirkt auf Anhieb konkret, obschon damit nichts - aber gar nichts - gesagt wird. Während der letzten Tage haben wir bei verschiedensten Problemen gehört und gelesen:

  • "Wir haben die entsprechenden Eckpunkte verabschiedet....."
  • "Bei der Gesundheitsreform sind die Eckpunkte vereinbar...."
  • "Die Eckpunkte sind jetzt umgesetzt, ich glaube sie müssen nur noch korrigiert werden...."
  • "Ich glaube, dass wir jetzt nach vorne schauen und dann werden wir Eckpunkte fixieren...."
  • "Jetzt sind die Eckpunkte da, und...."
  • "Wir werden uns an die Eckpunkte einhalten und...."
  • "Es gilt nun die Eckpunkte vernünftig umzusetzen..."


Das Problem bei den Eckpunkten ist immer analog. Politiker erläutern nie: Welches die Eckpunkte sind. Was liegt zwischen den Eckpunkten? Was ist konkret mit einem Eckpunkt gemeint?

Der Eckpunkte - Rhetoriker hat es einfach. Er kann immer ausweichen und muss den "Stier nie bei den Hörnern" packen. Die Eckpunkte ersetzten konkrete Antworten. Die Phrasen mit dem Zauberwort Eckpunkte zählen zur Plausibiliätsargumentation. Sie wirken stets plausibel und sind nie falsch. Bei allen Problemen könnte gesagt werden: - Wir müssen sie mit gesundem Menschenverstand lösen - Wir sollten in die Zukunft (nach vorne) schauen - Wir packen sie gemeinsam an. Alle Parteien haben die Vorteile des Eckpunkteprinzipes erkannt. So sprechen die meisten Politiker von Eckpunkten und die Zuhörer glauben: Das ist aber ein kantiger konkreter Politiker, denn er hat ja Eckpunkte. Merkel, Müntefering, Stoiber und Co. Alle haben entdeckt, dass sie sich dank der Eckpunkte-Rhetorik den Kopf in jeder heiklen Situation aus der Schlinge ziehen können. So lange, bis die Bevölkerung den "Trick" entlarven würde. Die Chance ist leider gross, dass die wenigstens diese billige Technik erkennen. Da die Bevölkerung dank dieser bewährten "Eckpunkte - Rhetorik" noch lange ausgetrickst werden kann, bleiben diese Eckpunkte für die Politiker vorläufig eine "runde Sache".


7. Oktober, 2006




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