Rhetorik.ch

Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com
Aktuell Artikel Artikel Inhaltsverzeichnis Suche in Rhetorik.ch:

www.rhetorik.ch aktuell: (08. Mai, 2010)

Zur Medienrhetorik von Fundamentalisten

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Schaffhauser Nachrichten vom 8. Mai, 2010 PDF
Zur Medienrhetorik von Fundamentalisten In den letzten Wochen kamen Mitglieder des islamischen Zentralrates in den elektronischen Medien immer wieder zu Wort (CLUB, ARENA), einzelne Exponenten mussten nachher in den Printmedien Red und Antwort stehen. In der Schweiz leben 400 000 Muslime. Die wenigsten sind organisiert, die meisten akzeptieren die Regeln unseres Rechtstaates und sind liberal. Dennoch herrscht in der Oeffentlichkeit diffuse Angst vor einer Islamisierung, wie uns das Abstimmungsresultat bei der Minarettinitiative bewusst machte. Anderseits kann nachgewiesen werden, dass einige radikale Fundamentalisten nicht mit offenen Karten spielen: Nicolas Blancho verschaffte beispielsweise einem Al-Qaida Terroristen einen gefälschten Schweizerpass und sympathisierte mit dem heiligen Krieg. Auch der konvertierte Pressesprecher des islamischen Zentralrates Illi jubelte bei Anschlägen der Palästinenser. Direkte Unterstützung oder kriminelle Handlungen konnten dem harten Kern aber nicht nachgewiesen werden. Die Kernbotschaft der Fundamentalisten haben sie bei ihren zahlreichen Medienauftritten und Interviews ständig wiederholt: Vorwürfe gegen uns sind heisse Luft. Wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen. Wir halten uns stets an die Regeln des Rechtsstaates. Wir schlagen unsere Frauen nicht. Sie tragen freiwillig die Burka. Wir halten uns an den Wortlaut des Korans und beanspruchen Religionsfreiheit in der Schweiz. Nach der Sendung CLUB im Schweizer Fernsehen über den Fundamentalismus wurde die Meinung vertreten, man sollte radikalen Islamisten in den Medien gar keine Plattform bieten. Nach meinem Dafürhalten ist es wichtig, das Gedankengut des Islamismus öffentlich zu diskutieren. Als Kommunikationsberater bin ich für Dialog und lehne Maulkorbpolitik ab. Anderseits müssten sich aber die Gesprächspartner vorher mit der raffinierte Dialektik der Fundamentalisten auseinandersetzen, billigen Ausweich-, Lenkungs- und Beschönigungstaktiken erkennen und sie in Diskussionen entlarven. Sie sollten auch den Mut aufbringen, nachzufragen. In der letzten ARENA vom 23. April 2010 gestattete Moderator Brennwald erfreulicherweise den Kontrahenten (Freysinger SVP und Pfister CVP) nachzuhaken, damit die Fundamentalisten mit ihren geschickten Techniken den eindeutigen Fragen (die immer ruhig und überlegt vorgetragen wurden) nicht so lleicht ausweichen konnten. Ein Beispiel: Bei der Frage zur Steinigung von Frauen wurde Blancho gebeten, vor Mikrofon und Kamera offen zu bekennen, er lehne die Steinigungen von Frauen ab. Trotz mehrfachen Nachfragens, weigerte sich der Fundamentlist, dies zu sagen. Mit sonderbaren Analogien wich der Vertreter des Zentralrates der Islamisten der mehrfachen Aufforderung Freysingers aus. Die Journalisten der Redaktion SONNTAG hakten (in der Ausgabe von 25. April) in einem Interview mit Nicolas Blancho hartnäckig nach. Ich zitiere:

Sonntag: Sie haben sich nicht klar von der Steinigung distanziert. Wir geben Ihnen hier eine neue Möglichkeit. Blancho: Das islamische System benötigt bestimmte Rahmenbedingungen - also einen islamischen Rechtstaat und so weiter. Rein vom System hier ist Steinigung in der Schweiz nicht möglich. Wir haben hier eine andere Rechtsordnung, andere Grundsätze, einen anderen Aufbau der Rechtsordnung. Deshalb stellt sich die Frage nicht, deshalb bin ich in der Arena nicht darauf eingegangen. Sonntag: Nochmals: Sind Sie dafür oder dagegen? Blancho: Es hat keine Relevanz. Es ist für mich als Muslim ein Bestandteil, ein Wert der Religion. Aber es ist bei den gegebenen Umständen in der Welt und in der Schweiz nicht umsetzbar. Es ist eine ideelle Sache. Sonntag: Wir halten fest: Sie distanzieren sich immer noch nicht klar von der Steinigung. Blancho: Man kann auch nicht von irgendjemandem verlangen, dass er sich vom Zölibat distanziert. Oder von den Juden, dass sie sich vom Talmud distanzieren. Aber all diese Sachen bringen gar nichts, denn wenn jemand meint, dass etwas ein Glaubensbestandteil ist, dann hat es nichts mit der Ausführung zu tun, sondern ist ein Teil des Glaubens. Das kann man niemandem verbieten.


Auch bei konkretem Nachgreifen, vernebelt der Befragte die Antwort immer wieder so geschickt, dass ein Laie gar nicht merkt, dass Blancho sich von der Steinigung der Frauen nicht distanzieren will, weil er die Steinigung als WERT seiner Religion betrachtet. In allen Themenbereichen verstehen es die islamischen Rhetoriker den unangenehmen Fragen oder Argumenten mit cleveren Ablenkungstechniken auszuweichen. Die umstrittenen Exponenten geben sich in allen Diskussionen erstaunlich zahm, ungefährlich und angepasst. Leider mangelt vielen Journalisten oder Kontrahenten das Training, hartnäckig nachfragen und sich nicht einnebeln lassen. Wie bei der Frage der Steinigung müsste man auch bei der Zwangsehe, der Teilnahme von Mädchen beim Schwimmunterricht oder Klassenlagern den Fundamentalisten genauer auf den Zahn fühlen. Aus zuverlässiger Quelle habe ich erfahren, dass Illi vor einem öffentlichen Auftritt von einem Teilnehmer gefragt worden ist, was er machen würde, wenn es in der Schweiz zu einem Burkaverbot kommen würde. Illi gestand, dass dann seine Frau zu Hause bleiben müsste . In allen Diskussionen blieben die Antworten bei der Zwangsheirat und bei der Züchtigung diffus. Die Fundamentalisten konnten sich bei diesen Themen mit folgender Antwort retten: #Ich schlage meine Frau nicht!" #Meine Frau hat mich freiwillig geheiratet und trägt die Burka von sich aus." Die Fundamentlisten - Rhetorik hat folgende Methoden: à Sie haben meine Aussage aus dem Zusammenhang heraus gerissen à Sie sind nicht gläubig und können somit unsere Sicht gar nicht beurteilen à Es gibt nur ganz wenige radikale Glaubensbrüder. Die schliessen wir aus à Tatsächliche Geschehnisse sind aus der Sicht der Fundamentalisten aufgebauscht à Sie wiederholen konsequent: Wir wurden nie verurteilt und halten uns hier an die Regeln. Nennen Sie uns einen Terroristen, der in der Schweiz einen Anschlag gemacht hat! à Das Volk kann nicht über Glaubensfragen (Minarettverbot) urteilen. Das Volk hat nicht immer recht à Wir fühlen uns angegriffen à Wir müssen Vereinbarungen über eine Reduktion von Gebeten nicht einhalten (Armee und Firmen). Dies gehört zur Religionsfreiheit. Firmen gewähren ja auch Rauchpausen. Man muss uns deshalb pro Tag 5 Gebete zubilligen (obschon eine Reduktion in einer Vereinbarung akzeptiert worden war) à Die Schweiz muss den Glauben der Fundamentalisten tolerieren (ständiges Pochen auf Glaubensfreiheit) à Auf die Intoleranz des Islam wird nicht eingegangen à Kann jemand nachweisen, dass ein konvertierter Fundamentalist ein Flagge verbrannt hat, heisst es umgehend: Schauen wir doch nicht zurück. Wir müssen nach vorn schauen! à Wir lassen alle andern leben. Warum lasst ihr uns nicht leben?

Bei Diskussionen oder verbalen Auseinandersetzungen mit radikal- islamischem Gedankengut ist es unerlässlich, sich sehr gut vorzubereiten, Fakten zu sammeln, gut zuzuhören und zu kontrollieren, ob Fragen konkret beantwortet werden. Es gilt zu fragen, fragen, fragen, nachhaken, nochmals nachfragen. Wir müssen lernen, die Ablenkungstechniken in den Antworten zu erkennen. Nur dann können sie benannt und entlarvt werden. Wer sich mit den Vernebelungsargumenten nicht gründlich befasst hat, erkennt die Unschärfen der geschickten Antworten nicht.




Nachtrag vom 13. Mai, 2010: Zu den Antworten einer führenden konvertierten Fundamentalistin Quelle: "Blick":

Frage Kommentar
Nora Illi, Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats Schweiz: Guten Tag - Marhan bi kum. Sonja Berthold, Zürich: Frau Illi, ist es nicht unangenehm im Alltag mit einer Burka? Ich meine alle Hausarbeiten sind doch extrem erschwert? Guten Tag Frau Berthold, ich trage nur in der Öffentlichkeit den Gesichtsschleier. Zu Hause kleide ich mich in westlicher Kleidung. Im Alltag ausser Haus ist der Gesichtsschleier kein Hindernis. Ich trage keine Burka, meine Augen sind frei. Die Fundamentalistin sagt nicht: "Das bedeckte Gesicht stört mich nicht". Sie tut so, als sei das Gesicht frei, obschon sie nur einen Sehschlitz hat. Es geht bei der Burkafrage auch nicht um die präzisen Begriffe von Kopfbedeckungen, sondern es geht generell um die Vermummung des Gesichtes. Das ist eine typische Beschönigungstechnik und Wortklauberei.
Charles Meisterhans, Zürich: Ganz allgemein: Wann ziehen Sie den Schleier aus und wie fühlen Sie sich dabei? Erleichtert? Ich ziehe den Schleier aus, wenn ich nur unter Frauen bin oder zu Hause. Es macht keinen grossen Unterschied für mich, ob ich ihn trage oder nicht. Nur beim Suppenessen mit Niqab kann es Schwierigkeiten geben. ;) Es ist raffiniert, was Frau Illi sagt : "Für mich macht es keinen Unterschied, ob ich die Verschleierung trage oder nicht. Denn ihre persönliche Wahrnehmung ist immer richtig. Die "Ich-Aussage" kann nicht widerlegt werden, obwohl der Unterschied zwischen Vermummung und unvermummtem Gesicht enorm gross ist - nicht nur beim Suppenessen.
Catan Gül, Salmsach: Ich finde es schön, dass ein Mensch seinen Glauben auslebt, aber ich bin auch Muslima und habe oft den Koran gelesen, bin sehr oft in der Moschee gewesen, habe viele Predigten gehört, aber nirgendswo steht, dass man eine Burka tragen muss, im Gegenteil laut Prophezeihung dürfen Gesicht, Hände und Füsse unbedeckt sein, merken Sie nicht, dass Sie ein total schlechtes Licht auf den Islam werfen? Assalamu alaykum wa rahmadulah wa barakathu. Im Quran steht nicht, dass das Verschleiern des Gesichtes Pflicht ist. Jedoch gibt es in der Sunnah mehrere Beweise, welche die Vorzüge dieser Form der Verschleierung aufzeigen. Der Hadith mit dem Gesicht und den Händen ist ein schwacher Hadith. Ich finde jeder darf den Islam leben, wie er ihn für richtig hält. Jedoch möchte ich auch meinen Weg mit Gesichtsschleier leben dürfen. Weil die Fundamentalistin nicht belegen kann, dass der Koran keine Gesichtsverhüllung vorschreibt, interpretiert die Rhetorikerin die Verhüllung des Gesichtes und der Hände als einen schwachen Hadith und leitet darauf das bindende Recht ab, dieses Verhalten als religiöser Akt ausleben zu dürfen.
Kurz Mujo, Aargau: Was passiert, wenn eine Muslimin ihren Schleier nicht trägt und der Mann das sieht? Ich persönlich kenne keine Muslima, welche den Schleier nicht freiwillig trägt. Daher wird die Reaktion des Mannes höchstens etwas ein erstaunter Blick sein und evt. die Frage nach den Gründen. Dass die Frauen generell freiwillig die Unterordnung des Schleiertragens auf sich nehmen, wird als Tatsache kolportiert. Es ist für sie eine Voraussetzung, an der es für sie nichts zu rütteln gibt. Deshalb darf darüber gar nicht gezweifelt werden. Es ist so, weil es so ist. Illi demonstriert mit dieser Begründung einen plumpen rhetorischen "Zirkelschluss".
Sabine Thalmann, Uster: Guten Tag Frau Illi, können Sie kurz beschreiben, wieso Sie den Schleier tragen? Für mich ist dies eine Ehrerbietung Allah gegenüber, ein Teil meines Kultus. Ich fühle mich mit dem Schleier viel freier. Ich muss nicht teilnehmen an dem Wettkampf unter den Frauen, wie ich am meisten Auffalle. Mein Äusseres gibt nicht Auskunft über meinen Charakter. Ich werde als Person wahrgenommen und nicht als Objekt. Wenn Frau Illi behauptet, im Stoffgefängnis fühle sie sich freier, so darf sie dies behaupten. Es ist aber offensichtlich, dass ein Durchschnittsbürger unter einem Stoffzelt sich nicht frei fühlen kann. Die Behauptung, das Stoffgefängnis gebe ihr Freiheit, ist somit für die Öffentlichkeit unglaubwürdig. Die Behauptung, die Burkaträgerin gebe nichts von ihrem Charakter preis, muss ebenfalls bezweifelt werden. Vor allem, nachdem ich den Bericht einer Journalistin gelesen habe, die sich in Deutschland einen Tag lang als Burkaträgerin in der Oeffentlichkeit bewegt hat. Sie hatte durch das das Tragen der BURKA so stark gelitten , dass sie es nach wenigen Stunden kaum mehr aushielt. Sie wurde in der Verhüllung als Objekt wahrgenommen und musste abwertenden Blicke und böse Bemerkungen erdulden.
Hansueli Müller, Winterthur: Warum bitte sehr sollte die Burka nicht verboten werden? Wenn ich an einen Fussballmatch gehe, gilt auch das Vermummungsverbot. Warum sollen Sie sich dann vermummen dürfen? Weil das Tragen des Gesichtsschleier ein Teil meiner Religion ist und die Schweiz ein religionsneutraler Staat. Aber auch ich müsste sicher bei einem Fussballspiel mich beim Einlass identifizieren. Diese aufschlussreiche Frage von Herrn Müller wird so beantwortet, als würde die Identifikation mit einem kurzen Schleierlüften bei der Eingangskontrolle genüge getan. Wie beim Autofahren oder beim Randalieren, müssen Personen jedoch ständig identifiziert werden können. Weil der Fragesteller im Online-Beitrag nicht nachgreifen konnte, gelang es der Fundamentalistin, im Netz so zu antworten, als habe sie das Problem der Identifizierung in der Oeffentlichkeit beantworten können und das zentrale Verhüllungsproblem sei damit vom Tisch. Die Extremistin klammerte bewusst aus, dass ein Mann (Polizist oder Zöllner) nicht unter den Schleier schauen darf und eine punktuelle Kontrolle nichts zu tun hat mit einer dauernder Identifikation.
Frank Meyer, Solothurn: Sind Sie der Meinung der Islam sei die einzig richtige Religion? Jeder religiöse Mensch bezeichnet seine Religion als die richtige. Daher sage ich immer: für mich die richtige Religion. Die Frage wird nicht beantwortet. Frau Illi lenkte mit einer Ausweichtaktik ab: Illi sagte: Für mich ist es die richtige Religion. Es wurde aber gefragt, ob es die einzig richtige sei. Dies wäre nämlich ein wichtiges Erkennungsmerkmal bei Sekten. Sekten finden unter anderem, nur ihre Religion sei die einzig richtige. Diese Präzisierung haben wir jedoch nach der ausweichenden Antwort der Fundamentalistin nicht mehr erfahren können .
Peter Huber, Wil: Behindert Sie Ihr Schleier beim Autofahren oder haben Sie einen guten Rundumblick? Ich kann nicht Auto fahren und daher dies auch nicht beurteilen. Mit der geschickten Antwort "Ich kann nicht Auto fahren", wissen wir nicht, ob es die Konvertitin toleriert, dass man mit einer Totalverhüllung Autofahren darf. Der Fehler liegt - aus meiner Sicht - beim Fragesteller. Peter Huber hätte konkret fragen sollen: "Darf eine total verhüllte Gläubige nach Ihrem Dafürhalten ans Steuer - beim Autofahren?" Bei dieser Formulierung wäre ein Ausweichen weniger gut möglich gewesen.
Charles Meisterhans, Zürich: Für uns als Schweizer ist es doch sehr eigenartig, wenn unser Gegenüber sein Gesicht nicht zeigen will. Deshalb muss doch jede Vermummung verboten werden. Die Schweiz ist ein religionsneutraler Staat, welcher mir in der Bundesverfassung zusichert, dass ich meinen Kultus frei praktizieren kann. Daher habe ich die Freiheit, mein Gesicht aus religiösen Gründen, die belegbar sind, zu verschleiern. Mit dem Argument, die Verhüllung müsse aus religiösen Gründen praktiziert werden können, wischt die Fundamentalistin mit ihrer "Logik" die Tatsache vom Tisch, dass bei in unserem Kulturkreis das Verhalten zwischen zweier Menschen einander das Gesicht zeigen dürfen, wenn nichts zu verbergen ist. Ein Verstecken des Gesichtes wirkt bekanntlich nicht nur bei uns sonderbar.
Cengiz Ajdini, Hombrechtikon: Guten Tag. Was machen Sie wenn das Burka-Verbot wirklich durchkommt? Sie wollen sich nicht ernsthaft ein Leben lang zu Hause einsperren? Doch, ich werde mich nicht so einfach vertreiben lassen. Dies hiesse für mich in der Realität Hausarrest oder bestenfalls mit dem Auto von Tür zu Tür transportiert zu werden. Hier offenbart die Fundamentalistin, dass sie uns hinsichtlich Verhüllung keinen Schritt entgegenkommt. Hier wird erstmals die extreme militante Haltung eindeutig erkennbar.
Zbinden Ruedi, Basel: Guten Tag Frau Illi, wie stehen Sie zum Thema Steinigung? Die Steinigung würde Ehebrecher, Männer und Frauen betreffen. Jedoch ist sie nur in einem absolut hundertprozentig islamischen System anwendbar. Ein solches existiert nicht auf der ganzen Welt. Peter Wick, St. Gallen: Wollten Sie damit sagen, dass sie die Steinigung als Bestrafung in einem islamischen System gutheissen würden? Die Steinigung ist ein Bestandteil der Scharia. Diese hat aber, wie bereits mehrmals geschrieben, nur in einem hundertprozentig islamischen System eine Berechtigung. Ein solches System gibt es nicht. Einmal mehr wird indirekt ersichtlich, dass die Steinigung nicht abgelehnt wird und die Fundamentalistin- einmal mehr- nicht bereit ist, sich von dieser fragwürdigen Haltung zu distanzieren. Die Ausweichtechnik besteht darin, dass lediglich gefolgert wird: Weil es kein hundertprozentiges islamisches System gibt, gibt es bei uns keine Steinigungen.


Nachtrag vom 14. Mai, 2010

Solche Bilder lösen in der Öffentlichkeit begreiflicherweise Abwehrreflexe aus. Unter Kommunikation verstehen wir offene Kommunikation, sich ins Gesicht schauen - die Brücke zum Du aufbauen. Dass uns Gesichtsverschleierungen irritieren, ist verständlich und darf diskutiert werden. Die verschleierte Nora Illi wurde verständlicherweise ein Quotenhit. Nicht nur beim Schweizer Fernsehen. Auch TeleZüri brachte ein Interview mit dem "sprechen Tuch" Traumeinschaltquoten. Wir müssen nachträglich zur Kenntnis nehmen, dass es nicht das das Fernsehen war, das die Burkathematik gepusht hat. Bei der Islamfrage liegt seit der Minarettinitiative ein vage Angst in der Luft. Seit Wochen wird zudem die Verhüllung von Frauen europaweit diskutiert. In Frankreich wurde seit Monaten über ein Verbot diskutiert. Belgien hatte jüngst ein Verbot eingeführt und in der Schweiz wurde nicht nur durch den Entscheid des SP Gemeindepräsidenten Banga in Grenchen entschieden, dass niemand an einem Schalter verschleiert erscheinen dürfe. In verschiedenen Parlamenten, Kantonsregierungen und selbst im Bundesrat war die Diskussion über die Vermummung seit Wochen ein Dauer- thema. Darf man sich der identifikation durch Verschleierung entziehen (Autofahren, in der Oeffentlichkeit) Ich bin der Ueberzeugung, dass man dieses Problem weder mit Ausklammern noch durch Todschweigen lösen kann. Das Fernsehen musste somit das Thema aufgreifen. Nun wird nachträglich dem Schweizer Fernsehen vorgeworfen wurde, es habe den Extremisten zu viel Sendezeit eingeräumt, weil einige Extremisten die Plattform für ihre Botschaften geschickt nutzen können und wussten, wie man Medienauftritte nutzt.


Medienminister Moritz Leuenberger und Medienwissenschaftler Roger Blum rüffeln nun das Fernsehen: "Blick"- online:

Kaum je hat eine Splittergruppe die Schweizer Medien mehr beherrscht als der Islamische Zentralrat Schweiz.

Auch das Staatsfernsehen hat einen Narren gefressen an der Organisation, -deren knapp 40 Aktivmitglieder mehrheitlich konvertierte junge Schweizer sind. Ihre Posi-tionen - Polygamie, häusliche Gewalt und Billigung der Steinigung - sind radikal.

Doch der IZRS erhielt vom Gebührensender, der durch den Service-public-Auftrag zur Ausgewogenheit verpflichtet ist, innerhalb von sieben Wochen gleich dreimal eine Medienbühne, von welcher manche Parteien nur träumen.

Am 30. März durfte IZRS-Sprecher Qaasim Illi im "Club" sein ultrakonservatives Weltbild verbreiten. Am 23. April widmete SF der jungen Organisation eine -eigene "Arena". Gast war IZRS--Präsident Nicolas Blancho. Letzten Dienstag durfte Nora Illi (26), IZRS-Frauenbeauftragte und Gattin von Qaasim Illi, im medienwirksamen Nikab von der Freiheit hinter dem Schleier schwärmen.

Nun hagelt es beim Schweizer Fernsehen Kritik von allen Seiten. Zwar wird goutiert, dass sich SF des Themas Islamismus annimmt - doch dass einer Kleinstgruppierung derart viel Platz eingeräumt wird, stösst auf Unverständnis. "Das Schweizer Fernsehen übertreibt", sagt Medienwissenschaftler Roger Blum.

Zum einen gebe es Gruppierungen, die den Islam in der Schweiz weitaus besser repräsentieren. Zum anderen findet er das Talkshow-Format falsch: "Bei einer Reportage ist die journalistische Kontrolle höher als in einer Diskussionssendung." Es sei zuverlässig erwiesen, dass solche Auftritte mit Redegelegenheit bei einem Teil des Publikums propagandistische Wirkung haben.

Auch SP-Medienminister Moritz Leuenberger ärgert sich über die Islamistenbühne Leutschenbach. "Das zeigt ein Ringen um Aufmerksamkeit und Einschaltquoten", sagt der Bundesrat zu SonntagsBlick. "Es verzerrt die Wirklichkeit, denn im Schweizer Alltag sind weder Burkas zu sehen noch Hassprediger zu hören. Wenn das so weitergeht, tritt in jeder Sendung mindestens eine Burkaträgerin auf, eine Quotenburka gewissermassen."

Die massive Medienpräsenz des IZRS schüre Ängste, gibt Herbert Winter (63) zu bedenken, der Präsident des Schweizerischen Israelitischen Gemeindebundes. Es sei "problematisch, dass SF, aber auch andere Medien dem Zentralrat so viel Publizität einräumen".

SF-Chefredaktor Hansruedi Schoch verteidigt die Auf-tritte: "Sowohl "Club" als auch "Arena" haben das Thema aus verschiedenen Perspektiven und aufgrund unterschiedlicher Aktualitätslagen beleuchtet. Der Zentralrat war zwar vertreten, aber jeweils nur als eine Stimme unter vielen; -andere muslimische Gruppierungen kamen ebenso zu Wort." In der "Arena" allerdings war Nicolas Blancho der einzige Muslimvertreter am vorderen Stehpult.


Bundesrat Leuenberger rüffelte das Schweizer Fernsehen zu Unrecht. Die Medien mussten die Thematik verarbeiten. Wenn Fundamentalisten medienrhetorisch so gut geschult ist, dass sie dominieren können, dann liegt der Fehler bei den Kontrahenten, die nicht gelernt haben, politisch extreme Positionen zu entlarven. Ausser den Moderatoren haben die Wenigsten Nora Illi eine klare Antwort abgerungen. Bei Ausweichformulierungen wie "Dies gibt es bei uns in der Schweiz nicht", zur Frage der Genitalbeschneidung, der Zwangsehe, den Ehrenmord, der Steinigung oder dem Schlagen von Frauen, müsste konsequent nachgegriffen werden bis sich der Fundamentalist sich von menschenverachtenen Ritualen verbal distanziert.

Das Thema extremer Konvertiten darf nicht unter den Tisch gekehrt werden, nur weil derzeit nur wenige burkatragende Frauen auf der Strasse anzutreffen sind. Es geht bei diesen heiklen Fragen nicht um die Anzahl. Es geht um die Bereitschaft ihrer Integration und das Aufdecken des Vorspielens falscher Sachverhalte.



Rhetorik.ch 1998-2011 © K-K Kommunikationsberatung Knill.com