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www.rhetorik.ch aktuell: (23. September, 2006)

Missglückter Befreiungsschlag von Stanic



Wir haben verschiedentlich gesehen, dass sich ein "Sünder" mit einem klaren "Mea culpa"-Verhalten retten kann, indem alle Fehler zugegeben werden. So gelang beispielsweise Michel Friedman dieser Befreiungsschlag. Vom scharfzüngigen Talkmaster erfuhr die Öffentlichkeit ein Schuldgeständnis von ganz besonderer Art. Sie erfuhr, dass Friedman von allen öffentlichen Ämtern zurücktrete. Der gefürchtete Interviewer hatte die Grösse, zu all seinen Fehlern zu stehen. Er bat die Öffentlichkeit, ihm eine zweite Chance zu geben. Von einem Rücktritt als Talkmaster sprach er jedoch nicht.

Der inszenierte Auftritt war damals einmalig. Friedman punktete dank seinem eindeutigen Schuldeingeständnis. Nichts wurde beschönigt. Nach seinem Mea Culpa blieb er von weiteren Medienattacken verschont.

Der Fall Stanic



Das Auto von Stanic nach dem Unfall. Quelle: Blick.
Jüngst kam es in der Schweiz zu einer Mediengeschichte über Fussballer Kresimir Stanic, der ebenfalls "Mist" gebaut hat und während Tagen die Titelseiten und Seiten des Blicks gefüllt hat. Der FCZ Jungstar baute mit seinem Auto einen Horror-Crash. Scheibchenweise konnte enthüllt werden, dass er die Wahrheit verhüllt hatte. Es konnte nachgewiesen werden, dass der Fussballer in einer 60 km Zone viel zu schnell gefahren war. Fachleuten berechneten eine Geschwindigkeit von 140 km. Ein tonnenschwerer Findling wurde jedenfalls 10 Meter verschoben (*). Später wurde zudem bekannt, dass der Fernsehjungstar betrunken war.

(*) Nachtrag vom 8. Januar 2007: Uns wurde von einem Leser S.M. gemeldet, dass ein Augenschein vor Ort bestätigt hatte, dass es nur die Hälfte war.


Nun versuchte der verletzte Stanic - vom Spital aus - mit einem Befreiungsschlag d.h. in einem Brief mit einem Schuldgeständnis die angeschlagenen Reputation in der Öffentlichkeit und bei seinen enttäuschen Fans wieder herzustellen. Er schieb:

"Ich habe einen grossen Fehler begangen, für den ich mich schäme, der mir leid tut".


Er sei gut 100 km gefahren und habe vor der Fahrt Alkohol getrunken. Anderntags wurde auf der Titelseite wiederum enthüllt, dass Stanic immer noch nicht die ganze Wahrheit gesagt hatte. Stanic hatte verschwiegen, dass er nur 10 Minuten vor dem Horror Crash einen weiteren Unfall baute. Er mähte nämlich in Dübendorf mit seinem Kia Sorento sechs Metallpflöcke um. Der Fahrer wurde beobachtet, wie er dort die Spuren beseitigen wollte und nicht bemerkte, dass beim Aufprall seine Nummernschilder abgefallen waren und vor Ort liegen geblieben waren. Ferner soll es weitere Augenzeugen geben, die gesehen haben sollen, dass sich vier Autos ein verrücktes Rennen geliefert hatten. Zudem wurde publik, dass Kresimir Stanics Kollege, David da Costa mit seinem Auto am Unfallort war und seinen verletzten Kollegen im Stich gelassen hatte. Nun wird vermutet, dass Da Costa auch alkoholisiert war und sich mit der Fahrerflucht einem Bluttest entziehen wollte.


Erkenntnis Ein Befreiungsschlag in den Medien ist nur möglich, wenn alles offen auf den Tisch gelegt wird. Wer lügt, beschönigt oder verdeckt, macht die Rechnung ohne die Medien. Die Glaubwürdigkeit geht verloren, wenn nachher scheibchenweise weitere "Sünden" enthüllt werden. Das Teilgeständnis ist nach unserer Prognose für Stanic nicht viel wert. Journalisten machen es wie Vögel, die einen Regenwurm, welcher nur das Köpfchen zeigt, ganz aus dem Boden ziehen. Sind sie fündig geworden, recherchieren sie weiter, bis die ganze Geschichte ans Tageslicht kommt.


Nachtrag vom 24. September: "Ich kann mich nicht erinnern"

Auf die Frage, ob er vor seinem Unfall bereits einen Crash mit sechs Pfosten am Strassenrand hatte, antwortete der FCZ-Fussballer Kresimir Stanic gegenüber der Tagesschau von SF1:

"Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, es kommt mir spanisch vor".




Nachtrag vom 25. September 2006: Wirbel um Stanic Interview:

20 Minuten: "FCZ-Stürmer Kresimir Stanic soll vom "Blick" unter Druck gesetzt worden sein, der Boulevardzeitung ein Exklusiv-Interview zu geben. "Blick" soll gedroht haben ihn völlig fertig zu machen. Blick Sportchef Marcel Siegenthaler wies diese Anschuldigungen im "Talk Täglich" von "TeleZüri" vehement zurück. Die Aussagen würden jeder Grundlage entbehren."


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