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www.rhetorik.ch aktuell: (3. August, 2005)

Rechenprobleme an allen Fronten

  • Schröder bei Christiansen
  • Köhler bejaht Neuwahlen
  • Angela Merkel's Vorbereitung auf ihre Rede


  • Wie Spiegel online errinnert, haben viele Politiker Mühe mit der Mathematik:
    Der ehemalige FDP Wirtschaftsminister Günter Rexrodt blamierte sich einst für seine Ignoranz über die Anzahl Nullen einer Billion.
    SPD-Kanzlerkandidat Rudolf Scharping brachte im Wahlkampf von 1994 Brutto und Netto durcheinander und lieferte der Union eine Vorlage, seine Wirtschaftskompetenz anzuzweifeln. Für Scharping hatte die Brutto-Netto-Verwechslung Folgen: Sein Rivale Kohl nutzte den Patzer im Wahlkampf weidlich aus. Vollends zum Gespött wurde Scharping zwei Jahre später, als er im Bundestag über Löhne in Mexiko dozierte und die Aussage wagte, ein mexikanischer Arbeitnehmer habe nach Abzug der Steuern mehr in der Tasche als ein deutscher - prozentual gesehen.

    "Brutto, Netto, Mexiko"


    jubilierte damals die Union, wann immer die Sprache auf den glücklosen SPD-Oppositionsführer kam.
    Erstaunlicher ist, dass die promovierte Physikerin Angela Merkel beim Rechnen ins Rutschen kommt. Zweimal warf die Kanzlerkandidatin Brutto und Netto durcheinander: In einem ARD-Interview am vergangenen Sonntag sagte Merkel, die Bruttolöhne würden um ein Prozent sinken, wenn man die Sozialbeiträge um ein Prozent senke. Das ist falsch. Was sie meinte, ist: Der Nettolohn steigt. Der Versprecher wurde im Abdruck des Interviews auf der CDU-Homepage klammheimlich verbessert. In einem Interview in der "Bunten" machte Merkel den gleichen Fehler noch einmal. Zum Absenken der Beiträge zur Arbeitslosenversicherung erklärt Merkel: "Das bedeutet für die Arbeitnehmer ein Prozent mehr Bruttolohn". Die Wahlkämpfer bei der SPD wittern eine Chance. Als Revanche zum Scharping Slogan kreirten sie:

    "Brutto-Netto-Merkel"


    Generalsekretär Klaus Uwe Benneter: "Frau Merkel kann ohne Aufpasser keine Interviews geben." Deutlich wird: Frau Merkel hat Schwierigkeiten, brutto und netto zu unterscheiden. Das Leben ist komplizierter als ein Physiklabor." Auch Finanzminister Hans Eichel zweifelt an Merkels Kompetenz. "Gleich zwei eklatante Patzer in einer Woche lassen kein gutes Urteil über die zukünftige Finanzpolitik." Das zeige, dass Merkel in Haushaltsfragen "masslos überfordert sei".
    Mit keinem Rechenfehler, aber zu genauen Daten hatten vor zwei Wochen Edmund Stoiber die Union verwirrt: Nach Wahlkampfstrategie der Union sollte nichts schöngeredet werden, keine Patentrezepte präsentiert werden, "Mut zur Ehrlichkeit" bewiesen werden und ja keine unerfüllbaren Versprechungen gemacht werden. Doch dann sprach Edmund Stoiber plötzlich von einer Arbeitslosenquote von 4 Prozent. Die SPD kritisierte den Vorstoss sofort als unseriös. Die Sozialdemokraten wissen, wovon sie sprechen: Auch der heutige Bundeskanzler Gerhard Schröder hatte 1998 vor der Bundestagswahl angekündigt, die Arbeitslosenquote "signifikant" zu senken - ein Versprechen, das er nicht einlösen konnte. Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel hatte es daher nicht ohne Grund abgelehnt, den angestrebten Abbau der Arbeitslosigkeit zu beziffern. "Ich habe nicht die Absicht, konkrete Prognosen zu treffen, die ich heute redlicherweise nicht treffen kann", hatte die CDU-Chefin in einem Interview der "Berliner Zeitung" gesagt. Später erkannte Stoiber offensichtlich die Brisanz seiner eigenen Äusserung und schickte er einen Sprecher vor, um sein vollmundiges Versprechen zu relativieren. Nach dessen Angaben habe er mit der Ankündigung lediglich sagen wollen, dass eine von der Union geführte Bundesregierung besser erledigen werde als die rot-grüne Koalition. Im Juni waren in Deutschland 4,7 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet, die Quote lag bei 11,3 Prozent.
    Auch die Genossen mussten einen numerischen Patzer kassieren: Ihre Wahlkampf-Plakate, Flyer und Aufkleber gegen die von der Union geplante Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 18 Prozent enthalten einen Rechenfehler. So heisst es auf einem Aufkleber: "Ich koste zwei Prozent mehr". Damit stellen auch die Sozialdemokraten mangelnde Mathematikkenntnisse unter Beweis. Wenn die Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte erhöht wird, steigt der Gesamtpreis des Produkts nicht um zwei Prozent, sondern nur um 1.7 Prozent. Ein Produkt, das jetzt zehn Euro plus 1,60 Euro Mehrwertsteuer kostet, würde nach der Steuererhöhung zehn Euro plus 1,80 Mehrwertsteuer kosten. Der Unterschied zwischen 11,60 und 11,80 Euro beträgt aber nur 1,7 Prozent. Richtig müsste es auf den Plakaten also heissen: Alles wird 1.7 Prozent teurer. Der Spiegel kommentiert dazu: "Aber das ist nur nicht so plakativ".




    wdr.de: Umfrage:

    Was ist der Unterschied zwischen brutto und netto?

    Die 17-jährige Schülerin Franziska und die Abiturientin Isabel (19) "Auf netto kommt doch noch 16 Prozent drauf, oder?"
    Nicolas Schmitz ein 22-Jähriger BWL Student in Köln: "Brutto meint den Lohn vor Abzug der Steuern."
    Tatjana Trushkova (29) aus Hürth studiert BWL, will keine typische Definition aus dem Studium liefern: "Brutto ist was ich nicht bekomme, netto was ich bekomme."
    Die 23 Jahre alte Silvia und ihre Arbeitskollegin Kristina arbeiten bei der Bezirksregierung in Köln. "Netto ist das, was am Ende herauskommt"
    Wolfgang Hahn aus Köln "Ich verstehe gar nicht, was so schwer daran ist. Die Frau Merkel hat sich ja schon einige Male schwer damit getan. Netto habe ich in der Tasche. Fertig."
    Fabienne mit ihrem Sohn aus Stuttgart "Also: Vom Brutto-Lohn werden noch einige Dinge abgezogen, wie Krankenversicherung, Rentenbeitrag, Sozialabgaben. Und am Ende habe ich dann netto."
    "Brutto ist das, was wir netto gerne hätten", grinsen Niko 25 und sein Arbeitskollege Guido (30).




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