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Die "Nervensägen"



Nervensaegen Über das Problem der Vielredner bei Diskussionen.

von Marcus Knill

Bei vielen Diskussionen, vor allem bei Wahlveranstaltungen, sind sie ein Dauerproblem: Die Stänkerer, Sonderlinge, Vielredner, die sogenannten "Nervensägen". Sie stellen die Geduld der Diskussionsleiter und Podiumsgäste, aber auch des Publikums auf die Probe.
Es scheint, dass alle machtlos sind gegen die penetrante Art, sich bei Veranstaltungen zur Geltung zu bringen. Wenn die sogenannten "Nervensägen" reden, macht sich im Publikum meist Verlegenheit breit.
Sollen wir lachen oder sollen wir uns ärgern? In der Regel lässt man die erwähnten Sonderlinge erst einmal gewähren. Doch wird es immer peinlicher, wenn die Dauerredner nie zur Sache kommen, immer wieder vom Thema abschweifen oder schliesslich zu Zetern beginnen.
In Gemeindeversammlungen oder regionalen politischen Veranstaltungen sind sie bestens bekannt, die "Schmalspur-Winkelriede", sie sind leider die treuesten Begleiter von Forumsdiskussionen.
Die Palette der erwähnten Sonderlinge ist recht breit, es gibt alles von den agressiven Störefriede, bis hin zu den liebenswürdigen "Spinnern".
Allen gemeinsam ist der ausgeprägte Mitteilungsdrang und die mangelnde Selbstkritikfähigkeit. Kein Dauerredner merkt je, dass er andere stören könnte. Vielleicht ist der vorbereitete Auftritt für die Vielredner wie eine Therapie.
Lebensgeschichten, Weltanschauungen zählen zu ihren beliebtesten Themen; es sind Beiträge, die nie enden wollen. Ergreift der Sonderling - mit dem Spickzettel in der Hand - das Wort, geht im Saal ein Stühlerücken und Raunen durch die Reihen.
Alle hören gelangweilt die generellen Vorwürfe an, oder die ellenlangen Begründungen, weshalb z.B. der Redner seine Stelle verloren hat. Meist geht es nur darum, zu erklären, weshalb sie "von denen da oben" ungerecht behandelt wurden.
Es gibt unter den Stänkerern einige Selbstdarsteller, die das Podium nur suchen, um die eigene Meinung dem anwesenden Promis einmal persönlich "gesagt zu haben".
Schwafler und Dauerredner können Veranstaltungen mitunter blockieren oder lähmen. Die Gesprächsleiter sind dabei immer stark gefordert.
Wer es vergessen hat, die Spielregeln vor der Fragerunde genau bekannt zu geben, der ist in der Veranstaltung hoffnungslos verloren.

Hans Peter Meng führt eine Diskussionsunde
Nur wer schon vor der Diskussion deutlich sagt, dass einem Podiumsgast nur eine kurze Frage gestellt werden darf, ist während der Diskussion legitimiert, eine "Nervensäge" freundlich "abzuklemmen".
Der erfahrene Moderator Hans-Peter Meng warnte bereits vor Jahren:


"Wer kein Fingerspitzengefühl im Abklemmen hat, der provoziert Gegenreaktionen und einen Solidaritätseffekt im Publikum."

Dies ist möglicherweise mit ein Grund, weshalb viele Politiker vorsichtig sind im Umgang mit den Vielrednern. Folgender Rat ist hilfreich:


"Die Nervensägen dürfen nie lächerlich gemacht werden!"

Wer einem Redner über den Mund fährt, verliert nämlich immer Punkte. Alle Polit-Profis müssen heute lernen, die Unannehmlichkeiten mit Sonderlingen auszuhalten. Denn die Podiumsveranstaltungen sind für den Durchschnittsbürger die einzige Gelegenheit, den gewählten Politikern einmal direkt die Meinung zu sagen. Irgendwo darf es zwischen Volk und Politikern Ventile geben, um "Dampf abzulassen".
Veranstalter sollten eigentlich froh sein, wenn Leute anmarschieren, um ihre vorgefertigten Fragen zu stellen. Veranstalter schätzen letzlich volle Sääle.
Übrigens gibt es auch genügend Politker, die sich sehr gerne reden hören.


Links und Literaturhinweise

Literturhinweis: Knill/Kunert: Team und Kommunikation (Kapitel: Umgang mit schwierigen Typen)




K+K Seminare befähigen Sie, mit Vielrednern oder geschwätzigen Teammitarbeitern umzugehen. (Siehe das Kapitel "Umgang mit schwierigen Teammitgliedern" im Buch "Team und Kommunikation").

Dec 22. 2001




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