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Narrative Rhetorik


von Marcus Knill


Von der Kraft des Erzählens

Julius Köckert: Harun al Raschid empfängt 
             die Gesandten Karls des Grossen,
             (786) Quelle: http://maximilianeum.mhn.de Seit der Zeit des Kalifen Harun-al-Raschid weiss man um die Macht des Geschichtenerzählens. Auch die Gleichnisse in der Bibel machen der Menschheit seit Hunderten von Jahren bewusst, wie komplexe theologische Inhalte durch einfache Geschichten veranschaulicht werden können. Geschichten wirken - wie Bilder - stimulierend. Erzählungen überwinden Grenzen. Der Mensch ist seit je ein erzählendes Wesen.


Dennoch sprechen viele prominente Politiker und Führungskräfte wie Roboter eine trockene, streng sachliche Sprache und verwenden ausschliesslich allgemeingültige und vage Floskeln, wie
  • "Der Stand der Dinge ist folgender... "
  • "Betrachten wir die Fakten ... "
  • "Wir werden entsprechenende Massnahmen einleiten..."
  • "Wenn wir bedenken, dass die Sachlage den ..."
  • "Wir haben alle Aspekte geprüft und werden die Probleme mit grossem Elan anpacken ..."
  • "Wir werden die Angelegenheit mit gesundem Menschenverstand angehen ..."
Die heutige Unternehmenskultur erkannte, dass der Weg zum Erfolg nicht über die gängige Informationsflut und Floskeln, abstumpfende Appelle oder eine trockene Robotersprache führen kann. Die Erzählung wurde neu entdeckt, denn der Weg über sie ist besser als eine trockene Abhandlung. Die Erzählung motiviert und begeistert ihre Hörer. Abstrakte Abhandlungen und endlose Powerpoint Präsentationen sind weniger gefragt als narrative (erzählende) Elemente bei Vorträgen, Diskussionen und Präsentationen. Eine Erzählung hat oft mehr power. Aber es muss vorausgesetzt werden, dass die Erzählung die wichtigste Botschaft auf den Punkt bringt. Es gibt inzwischen Führungskräfte und Ausbilder, die erkannt haben, wie wichtig die narrativen Elemente bei Präsentationen und Gesprächsrunden sind.


Hinweise

Dabei ist zu beachten:
  • Es sollte nicht nur erzählt werden.
  • In der angemessenen Kombination liegt die besondere Wirkung
  • Es geht um die Kombination von abstraktem Wissen und konkreten Erzählungen.
  • Das aktive Zuhören kombiniert mit Erzaehlungen optimiert die Kommunikationsprozesse.


Ferner gilt es zu bedenken, Leute, die zu lange erzählen und die Gegenüber mit Erzählungen eindecken sich ebenfalls unbeliebt machen. Bei der Kunst des Erzählens ist auch die Dosierung und der Zeitaspekt zu berücksichtigen. Ideale narrativer Rhetorik heisst, im geeigneten Augenblick die passende Geschichte ein Erlebnis oder ein Beispiel einzuflechten, damit der abstrakte Sachverhalt leichter erfasst werden kann. Es geht uns auch nicht einfach ums Geschichten erzählen als Selbstzweck, sondern um die Suche nach der entsprechend passenden Geschichte.


Eine Erzählung ist erfolgreich,
  • wenn sie zum Thema passt und abstrakte Sachverhalte konkretisiert werden
  • wenn sie gerne weitererzählt wird und zum Nachdenken anregt
  • wenn ihre Details ein Gesamtbild ergeben


Zur Architektur des Erzählens

  • Situation genau umschreiben.
  • Die drei wichtigsten Eigenschaften der Hauptfigur und der Gegenspieler skizzieren.
  • Den logischen Ablauf folgerichtig nachzeichnen.
  • Die Bilder, die der Erzähler im Kopf hat, sind noch nicht erzählt. Es gilt zu bedenken, dass was ich mit vorstelle noch nicht gesagt ist.
  • Wichtige Details sind kein Zeitverlust, im Gegenteil: Sie erleichtern die Verständigung.
  • Die Erzählung darf nicht auswendig gelernt werden, doch muss sie immer wiedererzählen, als sei es das erste Mal.
Wir können uns mit dem Tonbandgerät selbst coachen. Es genügt, die Geschichte bei einer Person zu testen: Was wurde nicht verstanden? Wurde aufmerksam zugehört? Um die Wirkung zu überprüfen, ist ein Feedback unter vier Augen wichtig. K+K kann Ihnen bei einem Tellingcoaching weiterhelfen.




Fazit: Mit diesem Beitrag wollen wir Sie für diese anspruchsvollste Art menschlicher Kommunikation begeistern. Die Kunst des Erzählens ist unbestritten die Basis unserer kulturellen Entwicklung. Lange vor dem geschriebenen Wort war der Erzähler der einzige Garant für die Vermittlung von Erfahrungen, Werten und Lehren über Generationen hinweg. Denn nichts prägt eine Information mehr als die subjektive Auslegung. Selbst wenn der Inhalt in geschriebener Form feststeht, bleibt doch allein dem Vortragenden die Art und Weise der Darstellung vorbehalten.

Die narrative Kompetenz fördern - aber wie?

  • Müssen Sie wissenschaftliche Vorträge halten?
  • Müssen Sie Referate halten?
  • Unterrichten Sie oder müssen Sie präsentieren? Dann lohnt sich ein "Tellingcoaching, ein Kurzcoaching mit gezielten Vorübungen mit Themen:
    • Welche Hilfen gibt es?
    • Was bietet die klassische Rhetorik an Material?
    • Wie strukturiert man den Text, wie bereitet man seine Präsentation vor?
    • Wie sprechen wir, ohne dass das Publikum einschläft?
    • Wie bewältigt man die Diskussionen?
    • Welche narrativen Elemente sind zu nutzen?
Bei all diesen Fragen helfen wir Ihnen gerne weiter.


Literatur: Wilma Kiener: "Die Kunst des Erzählens" Narrativität in dokumentarischen und ethnographischen Filmen.

Zu diesem Buch: Die Autorin untersucht die Funktion erzählender Formen in Diskursen und analysiert anhand literatur- und filmwissenschaftlicher Methoden die Erzähltechniken in dokumentarischen und ethnographischen Filmen. Ausserdem geht sie auf den besonderen Prozess des Erzählens in der Praxis - bei Dreh und Produktion eines Dokumentarfilms - ein.


12. März, 2005


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