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"Musse" - eine neu entdeckte Daseinsform

von Marcus Knill

"Wenn der Mensch zu Ruhe gekommen ist, dass wirkt er." (Francesco Petrarca) Im Medienzeitalter der mobilen Hektik und Namophobie ist der Mensch immer präsent und sofort verfügbar. "Entschleunigung", "Innehalten", "Nein sagen lernen", "Work life Balance" haben Hochkonjunktur. Im Alltag finden wir kaum mehr Augenblicke der Musse. Ein Spiegel artikel von Susanne Beyer beleuchtet dies wortgewandt.

Dass regelmässige Unterbrechungen die Arbeitseffizient vermindert, ist erwiesen. Man nennt das den Sägeblatteffekt. Nach einer Unterbrechung dauert es viel länger, bis wir uns wieder auf etwas konzentrieren können. Wir brauchen mehr Zeit, als die eigentliche Unterbrechung gedauert hat.

Es gibt einen Unterschied zwischen von aussen iniziierte Unterbrechungen und selbstgewählter Musse Zeit. Das erstere kann dazu führen, dass am Ende des Tages keine Zeit für Musse mehr übrig ist.
Im Spiegel Artikel wird erwähnt, dass in den USA Angestellte angeblich 28 Millionen Arbeitsstunden vertrödelt werden, weil Menschen sich ablenken lassen. Die Beratungsfirma "Basek" berechnete, dass dies allein 588 Milliarden Dollar pro Jahr koste. Pro Arbeitstag gehen so durch die vielen kurze Unterbrechungen fast ein Drittel der Arbeitszeit verlustig.

Auch kein Ersatz für Musse sind Programme im Wellnessbereich, wo Entspannung und Ruhe in Hotels, im Ruheraum mit Musik, im Whirlpool oder mit Sauna, Dampfbad und Massage gemanagt wird. Der Zustand der inneren Stille von Zen Meistern programmiert. Die Lehrer versuchen die "Kunden" mit Worten zu beruhigen. Viele warten bei solchen Veranstaltungen aber vergeblich auf die innere Ruhe weil die Fülle von aktiven Beschäftigungsprogramme zu gross sind. Die Versuche, Musse zu finden, gipfeln auch in einer neunen "Nonstop Präsenz", in einer symbiotischen Reiz-Reaktions-Beziehung. Unser Gehirn ist bekanntlich so programmiert, dass es vor allem auf Reize reagiert. So wie es berits bei den Urmenschen war. Wir haben es in unserem heutigen hektischen Leben besonders schwer, einen "Stand-by Modus" zu finden. Anstatt dass uns die Technik das Leben erleichtern hilft, vereinnahmt sie uns immer mehr im Alltag. Wenn Musse "bei sich sein" bedeutet, so sind organisierten Entspannungsprogramme oft keine Musse.

Auch im Internetzeitalter kann man Wege finden, das Leben vereinfachen. Es gibt einfache Methoden, immer wieder zur Ruhe zu kommen. Das regelmässige Einschalten von Musssestunden hilft, den Tagesablauf zu rhythmisieren. Das bewusste Nichts-Tun kann dazu beitragen, dem Stress vorzubeugen.


10. September, 2010




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