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Schwierige Situationen im Interview - Fragetypen


von Marcus Knill


Schwierigen Situationen im Interview können durch geeignete Vorbereitung besser bewältigt werden. Insbesondere hilft es, ein paar Fragetypen zu kennen.

Zur Vorbereitung

Überfallfragen sind selten. Beachten Sie das Gebiet, das den Journalisten interessiert. Hören Sie beim Vorgespräch gut zu, damit Sie sich vorbereiten können. (Auflistung denkbarer Fragen, sich "aufmunitionieren", Fakten, Zahlen, Zitate, Tatsachen stützen).
Eventuell abklären:
  • Name und Telefon Nummer des Journalisten.
  • Welches Sendegefäss?
  • Länge des Beitrags, Statements oder Interviews.
  • Wann wird die Sendung ausgestralt?
  • Was sind die Adressaten?
Rahmenbedingungen klären:
  • Thematik
  • Braucht es Hintergrundinformationen?
  • Was ist die Einstiegsfrage? (Beachten: Jounalist muss nicht alle Fragen preisgeben).
  • Ist Publikum anwesend?
  • Mundart oder Schriftsprache?
  • Andere Teilnehmer? Wer spricht vorher? Was folgt nachher? Wie ist der Beitrag eingebettet?
  • Wird geschnitten? Wird nur zitiert? Kann ich Zitate auswählen?
  • Kann ich den Beitrag vorher sehen oder hören? (Bei Presseinterviews, die gedruckt werden sollen, haben Sie das Recht, den Text vor dem Druck zu sehen.)
  • Telefon oder Studiointerview? (Stimme ist am Telefon schlechter).


Generelle Regeln

  • Frei reden. Sich Schnittfassungen vorlegen lassen (der Bitte wird meist entsprochen). Bedingungen dürfen an die Bereitschaft zum Interview geknüpft werden.
  • Bei Sachbefragungen Interessantes, Ungewöhnliches, Exemplarisches, Neuartiges hervorheben, vorab das Ihnen Nützliche. Analogien (Verknüpfungen zu Bekanntem) sind hilfreich. Generell, aber besonders bei trockenen Sachverhalten: Bilder, plastische (vorstellbare), anschauliche Formulierungen verwenden. Beispiel:

    "Bei dieser Budgetkürzung kommt es mir vor, wie wenn Sie an einem 2 CV "Deux chevaux" eine Lastwagenbremse montieren."

  • Aussagen überprüfen lassen (Coaching mit "Hofnarr") Das spielerische Testen lohnt sich immer. Ex lohnt sich auch das Interview von der Gegenposition durchzuspielen.
  • Verzichten auf "No comment", denn jeder Medienauftritt ist eine Chance. Nutzen Sie diese Chance. Wenn Sie nichts sagen dürfen: begründen Sie dies. Das "Noch-Nichts-sagen können muss transparent gemacht werden.


Was Frage (Definitionsfrage)

Sie können Ihre Kompetenz oder Ihre Position darlegen:

"Was heisst Redundanz?" (Kompetenzfrage)



"Was heisst für Sie liberal?" (Positionsfrage)



Wie Frage



"Wie funktioniert das Videogerät?"



"Es ist ein SVHS System" (funktionale Antwort).



"Es bewährt sich sehr gut bei Seminaren" (evaluative Antwort).



Warum Frage

Ursachen, Gründe werden erfragt! Antwort:"Weil die ..." oder Ziele, Zwecke: Antwort: "Damit ... " Oft als Einleitung zu harten Befragungen:

"Warum haben Sie bis anhin behauptet ...



Kritische Fragen

Falsche Alternativen werden vorgelegt:

"Haben Sie die Rechnung nicht geprüft oder haben Sie keine Übersicht?"

Die beste Antwort ist in diesem Fall:

"Weder - noch" evtl. Reaktion mit Gegenfrage.



Suggestive Fragen



Sie enthalten Elemente wie: Sicher auch ...

Sie werden auf die "Ja-Strasse" manövriert. Unbewusst geben Sie nach den banalen Fragen, die Sie bejahen auch eine Zustimmung. bei der letzten heiklen Frage. Antwort:

"Sie haben geschickt gefragt. Diese letzte Frage sollte ich wohl auch mit "ja" beantworten. Doch können wir dies der Sache zuliebe nicht so einfach machen. Es geht hier nicht um ... sondern ..."



Ironische Fragen (Provokation)



"Ihnen laufen alle Parteimitglieder davon! Haben Sie Angst Ihren Job als Parteisekretär zu verlieren?"

Antwort: Differenzieren in Auffassung und Prognose.

"Die Austrittswelle ist beängstigend. Doch glaube ich, dass bereits dieses Jahr viele neue Mitglieder aufgenommen werden."



Hart-provokative Frage



"Wie fühlen Sie sich als Chef einer Fabrik, die führend ist im zerstören der Umwelt?"

Reaktion (Rat): Bei Pauschalisierungen sofort den Journalisten auffordern, den Sachverhalt differenzierter zu betrachten. (Differenzierung hilft oft). Die Pauschälisierung ist gefährlich, denn sie ist falsch und richtig zugleich (Januskopf).


Zum Meinungsinterview

Gefragt sind Einstellungen und Begründungen. (Sie können Ihre Position plausibel machen.) Journalist kann parteiisch fragen:

"Können sie das mit Ihrem Gewissen verantworten?"

Wenn negative Fakten mit Ihrer Person verknüpft werden: Wieder differenzieren:

"Sie stellen eigentlich zwei Fragen: ... "



Bei schwarz/weiss Fragen

Sich nicht verteidigen, Fragestellung korrigieren (auch differenzieren):

"Die tatsächliche Frage heisst doch: ... "



Bei Attacken (Unterstellungen)



"Sind Sie schon wieder in Schwierigkeiten?"

Achtung: JA/NEIN Falle! Beantworten Sie die Frage mit JA: dann hatten Sie frühere und auch heute Schwierigkeiten. Antworten Sie mit Nein: Dann hatten Sie früher Schwierigkeiten. Richtig:

"Ihre Frage erweckt den Eindruck, als ob ich schon einmal in Schwierigkeiten gesteckt hätte."



Sie werden mit Fakten, Zahlen, Statistiken eingedeckt.

Falsch:

"Diese Zahlen stimmen hinten und vorn nicht!"

Richtig: Quellen verlangen. Beweisen, dass die Quelle alt ist, evtl. bei korrekten Wiedergaben differenziert interpretieren.

"Diese Zahlen .... "

Wenn keine Auskunft gegeben werden kann: Es darf gesagt werden

"Ich kann dies im Moment nicht sagen, ich kann es Ihnen aber später mitteilen."



Gegenfragen

Strategien mit Gegenfragen gelten als hohe Kunst der Dialektik ."
Vorteile:
  • Zeitgewinn:
  • Fragender muss Frage präzisieren und verändern
  • Frage wird begründet
  • Beweislast ist beim Fragenden
  • Der Fragende gibt nicht zuviel preis (Einzelheiten)
  • Gesprächspartner wird motiviert
  • Wir erfahren Hintergrundinformationen
  • kann lenken führen verwirren klären
Fragen dürfen mit GEGENFRAGEN beantwortet werden (aber nur in Ausnahmefällen). Gegenfragen sind wichtig! Beispiele:

"Warum haben Sie den Auftrag nicht erhalten?"



"Haben Sie darüber schon mit dem Verkaufschef gesprochen?"



Warum erhalte ich nicht den gleichen Salair wie Herr Müller?



"Hat Ihnen dies Herr Müller gesagt?"

Gegenfragen sind hilfreich, wenn Sie unsicher sind, oder Ursachen erfragt werden müssen.






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