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www.rhetorik.ch aktuell: (20. November, 2003)

Krimi mit Popstar



Ein neuer Skandal um den "King of Pop" Michael Jackson hielt die Medien diese Woche auf Trab. Nach neuen Anschuldigungen von sexuellem Kindsmissbrauch folgte eine polizeiliche Durchsuchung der Kalifornischen Neverland Ranch von Jackson am Dienstag. Die nachfolgende Inhaftierung Jacksons mit anschliessender Freilassung wurde zu einem Medienerreignis sondergleichen.

Vergleiche dazu auch den Aktuellbeitrag Das Gesicht verlieren.


Nachdem ein 12 Jahre alter Junge aus Los Angeles seinem Psychotherapeuten anvertraut hatte, vom Popstar sexuell missbraucht worden zu sein, hatte der Therapeut die Behörden alarmiert. Jackson hatte im Februar schon für Aufruhr gesorgt, als er in einer britischen TV-Dokumentation von BBC verraten hatte, sein Schlafzimmer gelegentlich mit Jungs zu teilen.

Nun werden ihm "unzüchtige und laszive Handlungen" mit einem Kind vorgeworfen. Bei einem Schuldspruch würde ihm in jedem Anklagepunkt eine Haftstrafe von drei bis acht Jahren drohen.


Am Dienstag wurde die weitläufige Neverland Ranch von Jackson von 70 Polizisten während 13 Stunden durchsucht. Auf dem Anwesen Jacksons beschlagnahmte die Polizei nach Angaben von CNN, Videobänder, Computer sowie private Briefe.
Jackson hielt sich während dieser Zeit in Las Vegas beim Filmen eines Videos auf.


Der Sheriff von Santa Barbara County erliess am Mittwoch einen Haftbefehl. Der Staatsanwalt von Santa Barbara, Tom Sneddon kündigte formell Anklage an. Mit dem Haftbefehl kam die Aussage, dass Jackson sich innerhalb einer bestimmten Frist stellen könne und gegen eine Kaution von 3 Millionen Dollar zunächst auf freien Fuss gesetzt werden würde. Jackson müsse dabei aber seinen Reisepass abgeben und jederzeit für die Behörden erreichbar sein.


Brian Oxman, Anwalt der Jackson Familie meinte "Die Hysterie und Aufregung ist die selbe wie vor 10 Jahren". Jackson selbst erklärte nach Angaben seines Sprechers Stuart Backerman, es werde immer dann "eine schreckliche Behauptung" gegen ihn gestreut, wenn er gerade ein neues Album oder Video vorbereite. Vor 10 Jahren war eine ähnliche Anklage gegen Jackson gemacht worden, die jedoch aussergerichtlich geregelt worden ist.


Jackson flog am Donnerstag von Las Vegas nach Santa Barbara, wo er kurz ins Hauptgefängis gebraucht wurde. Dort wurde er in Handschellen durch einen Hintereingang in das Polizeigebäude geführt. Der Höhepunkt war die Abführung in Handschellen.


Eine Fahrzeugkolonne verliess den Hangar des Flughafens von Santa Barbara wenige Minuten nach der Ankunft von Jacksons Privatmaschine. Der Popstar hatte die geforderte Kaution gezahlt. Eine knappe Stunde nachdem "Jacko" sich gestellt hatte, verliess er das Justizgebäude in einem abgedunkelten Fahrzeug. Ein Sprecher Jacksons meinte, die Anschuldigungen gegen den Sänger seien falsch. Jackson habe sie als eine "grosse Lüge" bezeichnet. Jackson flog daraufhin wieder zurück nach Las Vegas.


Was bedeutet die Geschichte für Jackson? Kurzfristig sieht es nicht so gut aus: Eine für nächste Woche geplanter CBS Beitrag wurde vorläufig gestrichen. Längerfristig könnte sich der Skandal aber auch lohnen. Es wurde spekuliert, dass falls Jackson andersartig auftreten würde, heute ein Millionenpublikum sicher wäre. Im Februar hatten die Sender ABC,NBC und Fox riesige Zuschauerraten mit einem "Exposé" von Jackson. Nach New York Times wurde Jackson 6 Millionen Dollar alleine für ein exklusives Interview bezahlt. Vor zwei Jahren hatte der Sender CBS die höchsten Zuschauerzahlen mit einem Jackson Konzert. Auch das Video, in dem Jackson sein Baby vom Hotelzimmerbalkon geschwenkt hatte, brachte keinen Abbruch der Popularität. Im Gegenteil, es hat die Ungewöhnlichkeit Jacksons nur noch gesteigert.


Das Medium Fernsehen vergibt fast jeden Fehltritt, hauptsächlich weil jeder Fehltritt in Unterhaltung umgewandelt werden kann. Die Synergie von Skandal und Unterhaltung wächst, im Bereich der Jerry-Springer-Shows über Prominentenklatsch bis zum Realitäts-TV.
New York Times, 19. Nov. 2003




Nachtrag vom 22. November 2003. .
Der Spuk ist vorbei, die Zeitungen ziehen die Story noch einen Tag weiter, Tabloids erzählen noch weitere Details. Die "Bild" Zeitung weiss zu berichten, dass der Jungen ein Krebskranker Junge ist, dessen Mutter, nachdem Jackson versuchte, die finanizelle Unterstützung einzustellen, zum Anwalt gerannt sei. Der Junge Gavin Arvizo hatte Jackson damals als Todeswunsch privat sehen wollen. Jackson selbst will im Moment weiter an seinem Video arbeiten.




Nachtrag vom 25. November 2003 . Jackson, der sich selbst nie selbst zu der Geschichte geäussert hat, eröffnete eine Webseite, inder er schriftlich Stellung nimmt.
Der Anwalt Jacksons, Mark Geragos, behauptete am 25. November, dass das Flugzeug von Jackson im Geheimen von der Charter Luftgesellschaft abgehört worden war.
CNN meldet, dass die Webseite des Sherifs von Santa Barbara in den letzten Tagen Millionen Besucher hatte. Soviel, dass der Server überlastet wurde durch einen anderen Server ersetzt werden musste.


Nachtrag vom 26. November 2003 .
Die Zeitschrift "Facts" hat einen Artikel über Jackson und meint (wir fassen zusammen): "Auch wenn Michael Jackson seine Haut nochmals retten kann, ist die Karriere vorbei. Der King of Pop, zerbricht am Ruhm und Erfolgsdruck - wie Elvis, Kurt Cobain, Gary Glitter, Phil Spector, Bertrand Cantat, R. Kelly, Sid Vicious. Wenngleich die Kasse trotz der Kindsmissbrauchsgeschichten weiter klingelt. Nach 1993 wird Jackson nun zum zweiten Mal des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Bei der ersten Klage soll er den Eltern 15 Millionen Schweigegeld bezahlt haben. Dies ist nach "Facts" bei der heutigen Klage nicht mehr möglich. Es komme im Januar 2004 jedenfalls zum Prozess. (In Kaliforniern wurde das Gesetz geändert. Nun müssen auch Kinder als Zeugen aussagen.) Es sei erstaunlich: Jackson mache niemanden mehr verrückt. Er gelte als verrückt. Er schuf 1982 das meistverkaufte Album der Musikgeschichte, das 55 Millionen Mal umgesetzt wurde. Mit seiner mehrfach operierten Nase, die aussieht wie ein Steckdose, ähnelt der Star zusehends den Kreaturen aus Hollywoods Horrorlaboratorien."
Der "Spiegel" weiss zu berichten: "Gute Nachricht für Michael Jackson: Der Junge, der laut Anklage von ihm belästigt wurde, soll den Popstar im Februar entlastet haben. Der Zwölfjährige und seine Mutter sollen auf einer Tonbandaufnahme zu hören sein, wie sie Gott danken, dass er sie mit Jackson zusammengebracht habe." aut der CNN-Mitarbeiterin Kimberly Guilfoyle Newsom, eine Juristin, sagte die Mutter auf dem Band ausserdem, dass Jackson ihren Jungen wie seinen eigenen Sohn behandele. Newsom sagte, sie habe beim Anhören "zu keiner Zeit" den Eindruck gewonnen, als sei die Familie unter Druck gesetzt worden oder habe sich an vorgegebene Texte gehalten, betonte die Frau. Zusätzlich zur Bandaufnahme soll die Mutter des Jungen eine eidesstattliche Erklärung unterzeichnet haben, in der sie bestätigt, dass Jackson ihr Kind nie sexuell missbraucht hat. Nach Newsoms Einschätzung könnte das Material der Anklage der Staatsanwaltschaft schaden. Sollte das Band echt sein, müsste der Staatsanwalt nachweisen, dass der angebliche Kindesmissbrauch nach der Aufnahme vom Februar stattfand."


Nachtrag vom 28. November 2003 .
Jackson ist noch nicht offiziell angeklagt worden, das Gerichtsverfahren vor dem Gericht ist aber schon im vollen Gange.

Ein PR Spezialist, Howard Rubenstein, der Jackson früher mal beraten hatte über den Jackson Fall:

"Das ist Publizität extrem. Niemand hält sich an Regeln. Das wird der PR-Kampf des Jahrhunderts."


Tatsächlich. Ein Reporter war schon verhaftet worden, als er versuchte, in Jacksons Flugzeug einzudringen.
Ein anderer PR-Spezialist, Dan Klores sagte in der New York Times:

Das Rechtssystem ist in der Lage, ständig Informationen herauszulassen. Ein Teil der Strategie ist es, den Angeklagten zu brechen bevor das Verfahren begonnen hat. Die Angeklagen haben mit ihren Anwälten ihre eigene Kampagne zu führen."



Nachtrag vom 18. Dezember 2003 .
anwalt geragos Jackson wurde am 18. Dezember wegen Kindesmisbrauch in neun Fällen angeklagt. Jackson erhielt seinen Reisepass zurück. Der Spiegel berichtet:
'Eine PR-Firma aus Hollywood ist damit beauftragt worden, die Anfragen der Medien zu bearbeiten. Reporter sollten die Firma anrufen, damit das Büro der Staatsanwaltschaft entlastet wird. Ein Sprecher der Jackson-Familie kritisierte diesen Schritt. Ein Staatsanwalt müsse das Gericht entscheiden lassen und nicht die Presse, sagte Brian Oxman. Rechtsexperten äußerten sich ähnlich. "Möglicherweise steht Naivität (auf Seiten der Staatsanwaltschaft) dahinter, aber es wirkt so, als stünden andere Interessen dahinter, als die, für Gerechtigkeit zu sorgen."'


Nachtrag vom 29. Dezember, 2003
Der US-Sender CBS veröffentlichte heute eine Mitschrift des Weihnachts-Interviews mit Jackson, das am Sonntagabend ausgestrahlt wurde. Darin schimpft Jackson:
"Sie haben versucht, mich zu entehren und meinen Stolz zu brechen. Der Popstar: "Was ist schlimm daran, ein Bett zu teilen? Die Leute denken an Sex. So ticke ich nicht. Wenn ich Kinder sehe, sehe ich das Gesicht Gottes."
US-Star Ed Bradley (63), der das Interview führte, fragte: "Sie sind Vater von drei Kindern. Würden Sie Ihren Kindern erlauben, mit einem erwachsenen Mann in einem Bett zu schlafen?" Jackson gab sich ganz naiv: "Klar, wenn ich den Mann kenne und ihm vertraue."
Als Jackson gefragt wurde, ob es akzeptierbar sei, das Bett mit Kindern zu teilen, sagte Jackson: "bei einem Paedophilen, bei einem Jack the Ripper oder bei einem Mörder ist das keine gute Idee. Aber ich bin das nicht". Diese Aussage wurde in einer Australischen Zeitung in einem Beitrag mit dem soundbitefähigen Titel "Ich bin kein Jack the Ripper, sagt Jackson" zitiert.
Das CBS Interview "60 minutes" hat 19.65 Millionen Zuschauer angezogen. CBS fühlt sich nun berechtigt, die Sendung "Michael Jackson Number Ones" auszustrahlen, die ja gerade während den ersten Anschuldigungen in Las Vegas in Arbeit war.
Am 16. Januar 2004 muss Jackson zum ersten Mal vor Gericht erklären, ob er sich schuldig oder unschuldig bekennt.


Nachtrag vom 11. Januar, 2004
Wie das "Bild" zu berichten weiss, hat Jackson eine Villa in Beverly Hills gemietet. Er fühle sich in seiner Ranch nicht mehr zu Hause, seit die Polizei die Neverland-Ranch durchsucht habe. Die Miete für das 3000 m2 grosse Anwesen soll 100'000 Dollar/Monat betragen, wobei Jackson später die Option habe, die Villa zu kaufen.


Nachtrag vom 15. Januar, 2004 Michael Jackson wird sich morgen in den Gerichtssaal von Santa Maria/USA begeben und sich offiziell der Frage stellen, ob er den 12-jährigen Gavin Arvizo sexuell belästigt hat. Sollten sich die Vorwürfe bestätigten, drohen Jackson bis zu 24 Jahre Haft. Es ist die erste Anhörung. Hunderte von Reportern pilgerten nach Santa Maria in die Nähe von Santa Barbara gekommen, wo Jackson sich auch im vergangenen Jahr gestellt hatte. Kameras hat Richter Rodney Melville aus dem Verhandlungssaal allerdings verbannt. Ganze Bus- und Autoladungen von Fans haben sich ebenfalls angekündigt: Sie wollen den Sänger mit ihrem "Caravan of love" unterstützen. Dass ihr Idol unschuldig ist - davon lassen sie sich nicht abbringen. Jackson-Fans machen dem Sänger auch im Internet Mut. In der morgigen Verhandlung wird die Anklageschrift verlesen: Neun Punkte werden Jackson "unzüchtiges und wollüstiges Verhalten gegenüber einem Kind unter 14" zur Last gelegt. Er soll dem Kind "eine Droge" verabreicht haben. Die Mutter des kleinen Gavin hatte angegeben, der Sänger habe den Jungen mit Wein gefügig und willenlos gemacht. Jackson hat lediglich zugegeben, zusammen mit Kindern, die Gast auf seiner "Neverland-Ranch" waren, in einem Raum geschlafen zu haben - allerdings nicht in einem Bett. Auch den kleinen Gavin hatte Jackson zu sich eingeladen, als er hörte, das Kind sei an Nierenkrebs erkrankt. Der Star habe sogar für die medizinische Behandlung bezahlt. Die bisherigen Ermittlungen sprechen allerdings gegen Jackson. So wurden bei der Razzia auf seinem Anwesen belastetende Liebesbriefe gefunden, die er an Gavin geschrieben hatte. Und der Polizei gegenüber soll der Junge ausgesagt haben, er sei Jacksons "Rubba-Rubba-Freund". Oder ist das Ganze doch nur ein Erpressungsversuch der Eltern, weil Jacko nicht heimlich an sie zahlen wollte? Schon vor zehn Jahren war der Sänger ähnlichen Vorwürfen eines damals 13-Jährigen ausgesetzt gewesen. Weil er Millionen an die Familie des Jungen zahlte, kam es aber nie zum Prozess.


Nachtrag vom 16. Januar, 2004 Medienzirkus.

Michael Jackson kam 21 Minuten zu spät zum Termin mit Richter Rodney Melvilla. Jener fand das überhaupt nicht lustig und rügte den 45-Jährigen aufs Schärfste. Und mahnte: "Ich erwarte, dass Sie bei den nächsten Gerichtsterminen pünktlich sind."
Kurz davor war Jackson in einer schwarzen Limousine vor dem Gerichtsgebäude eingetroffen. Unter einem schwarzen Schirm wurde er von Dutzenden von Leibwächtern und Polizisten begleitet. Auf die Vorwürfe, sich gegenüber einem krebskranken 13-jährigen Jungen in sieben Fällen unzüchtig oder lasziv verhalten zu haben, antwortete Jackson vor Richter Melville, er sei nicht schuldig. Der Angeklagte stritt auch ab, dass er dem Kind ein berauschendes Mittel verabreicht habe.



Bereits Stunden vor dem Gerichtstermin trafen ganze Busladungen mit Fans, sowie Medienvertreter aus aller Welt in Santa Maria ein. Anhänger Jacksons organisierten von Los Angeles und Las Vegas aus eine "Karawane der Liebe", um ihre Solidarität mit ihrem Idol zu demonstrieren. Rund um das Gericht bauten Fernsehteams Studios auf.
Richter Rodney Melville muss über mehrere Anträge und Gegenanträge zum Ablauf des Verfahrens entscheiden. Dazu gehörte ein Begehren mehrerer US-Fernsehsender, mit Live-Kameras aus dem Gerichtssaal berichten zu dürfen. Für die Anhörung am Freitag hatte der Richter das verboten.
Staatsanwalt Tom Sneddon verlangte von dem Gericht einen so genannten Maulkorberlass, der es beiden Seiten für die Dauer des Verfahrens verbieten würde, sich über inhaltliche Frage öffentlich zu äussern. Jacksons Anwalt Mark Geragos hat dagegen Widerspruch eingelegt.



Nach der rund zweistündigen Prozedur feierten die Fans ihr Idol beim Verlassen des Gerichtsgebäudes. Jackson kletterte auf das Dach seines Jeeps, verteilte Kusshände und tänzelte vor der jubelnden Menge. Anwalt Brafman verteidigte Jacksons Auftritt auf dem Autodach als "spontane Aktion". Zugleich entschuldigte er das verspätete Erscheinen seines Mandanten vor Gericht mit dem Ansturm der Fans. Es sei schwierig gewesen, sich einen Weg durch die Menge zu bahnen.


Ein Strom von Bildern geistert über Amerikas Fernsehschirme, und man scheint nicht genug davon bekommen zu können. Ein Fernsehmann:

Michael Jackson ist wie ein Verkehrsunfall - jeder schaut hin.


Es wird gemutmasst, dass der Jackson Fall spektakulärer sein wird als die Simpsongeschichte. Am Freitag morgen, um 6 Uhr früh wurde eine Lotterie für die Jackson Fans gehalten, die entschied, welche 60 Gewinner ins Gerichtsgebäude gelassen würden. Im Gerichtssaal sollen Leute sollen sogar geweint haben. Der CNN Rechtsexperte Jeffrey Toobin:

Es war wie bei den Beatles in den frühen 60er Jahren.


Die Bodyguards von Jackson haben vor dem Gerichtsgebäude Zettel mit Einladungen zur Neverland Ranch verteilt, wo Jackson Erfrischungen anbieten würde.


Nachtrag vom 4. Februar 2004: Details zur Razzia bei Michael Jackson:

Das Gericht in Santa Barbara veröffentlichte eine Liste der Gegenstände, die in der Luxus-Villa des Stars beschlagnahmt wurden. Bei der Durchsuchung seiner Neverland-Ranch stellte die Polizei im November unter anderem Computer, Kameras und Videos sicher. Nach US-Medienberichten wurde ein Laptop im verriegelten Badezimmer des Sängers gefunden, auch fanden die Ermittler dort eine Kamera. Erst ein Schlosser konnte das Spezial-Schloss der Tür öffnen. Die Beamten nahmen weitere Computer, Briefe und schriftliche Unterlagen aus Jacksons Schlafzimmer mit. Selbst Zeitschriften wurden eingesammelt. Die meisten Rechner wurden nach dem Kopieren der darauf befindlichen Informationen wieder zurückgegeben. Ob die beschlagnahmten Gegenstände Hinweise auf kriminelle Handlungen Jacksons geben, geht aus der Liste allerdings nicht hervor.


Nachtrag vom 15.Februar, 2004, Michael Jackson vor Bankrott? Trotz seiner Geldnot soll Jackson Monat für Monat etwa zwei Millionen Dollar, umgerechnet 1,56 Millonen Euro ausgeben. Dies berichtete Tageszeitung "New York Times". Der Prozess selbst ist in weite Ferne gerückt. Nach einer Anhörung vor dem Richter schließen Experten zudem nicht aus, dass die Anklage niedergeschlagen werden könnte. Richter Rodney liess verlauten, dass das Verfahren bis Dezember 2004 zu eröffnen sei. Bis dahin könnte der einstige "King of Pop" nach Berichten von US-Medien pleite sein. Sein Manager dementierte aber, dass Jackson Millionenschulden nicht begleichen könne. Der Fan- und Medienzirkus blieb diesmal aus, da Jackson nicht selbst vor Gericht erscheinen musste. Richter Melville gewährte den Verteidigern einen Aufschub der Vorgespräche über das weitere Verfahren bis zum 2. April. Dann soll erneut versucht werden, ein Datum für die Anhörung zum Inhalt der Anklage zu vereinbaren. Dabei muss der Staatsanwalt seine Beweisführung erläutern. Die Verteidigung kann Gegenargumente vorbringen, und der Richter muss entscheiden, ob ein Prozess eröffnet werden sollte. Jacksons Verteidiger würden alles tun, um das Material der Staatsanwaltschaft "zu zerpflücken und als unzureichend darzustellen", sagte ein CNN-Justizexperte. Nach Angaben von US-Medien kann Jackson einen Kredit der Bank of America in Höhe von 70 Millionen Dollar nicht zurückzahlen. Jacksons Manager Charles Koppelman erklärte jedoch, es stünden derzeit keine Kreditrückzahlungen an. Demgegenüber sagte der Geschäftsmann Al Malnik dem "Miami Herald", er sei im Auftrag Jacksons um einen Aufschub des Rückzahlungstermins bemüht. Die "New York Times" berichtete, die Bank wolle Jacksons Millionen schwere Rechte an den Beatles-Songs pfänden lassen.

Nachtrag vom 19.Februar, 2004: Mehr Klatsch. Michael Jackson hat mit der Justiz nicht nur Ärger, weil er angeblich einen Jungen missbraucht hat. Der Popstar soll einen Flug zum Gefängnis nicht bezahlt haben.


Nachtrag vom 2.April, 2004, Krebsjunge Gavin belastet Michael Jackson Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen machte jetzt der krebskranke Gavin seine Aussage vor dem Geschworenengericht. Er beschuldigte Jacko jetzt auch offiziell, ihn mit Alkohol gefügig gemacht und sexuell belästigt zu haben.

Mega-Star Jackson soll im Frühjahr 2003 den damals 13-jährigen Jungen insgesamt sieben Mal missbraucht haben. Im Januar plädierte der Pop-Star auf "nicht schuldig". Gegen eine Kaution von drei Millionen Dollar (rund 2,46 Millionen Euro) wurde er auf freien Fuss gelassen.

Aus Justizkreisen verlautete, dass die Grand Jury ausserdem die Aussage des Barbesitzers Jamie Masada gehört hätte. Er soll Jackson dem Jungen vorgestellt haben.

Neben Gavin wird möglicherweise auch ein inzwischen 24-jähriger Mann verhört, der den Pop-Star 1993 des sexuellen Missbrauchs beschuldigt hatte. Damals kam es allerdings nicht zu einem Prozess.

In den nächsten Wochen wird die Grand Jury hinter geschlossenen Türen weitere Zeugenaussagen hören. Danach wird entschieden, ob die Vorwürfe gegen den Sänger einen Prozess rechtfertigen. Die Juroren unterliegen einem strikten Redeverbot, auch die Orte, an denen das Gremium tagt, werden streng geheim gehalten.

Jackson, wie immer stark geschminkt, trug eine schwarze Hose und ein knallrotes Hemd. Mehrere hundert Fans jubelten dem "King of Pop" zu, riefen: "Michael, wir lieben dich!" Jackson streckte seinen Fans eine kleine israelische Flagge entgegen, zeigte sein allseits bekanntes Siegeszeichen. Er kündigte an, trotz des Prozesses weiter nach Afrika reisen zu wollen, um Aidskranken zu helfen.




Nachtrag vom 17. April, 2004. Im Fall Michael Jackson kommen neue Details an die Öffentlichkeit: Ein amerikanischer Fernsehsender berichtet von einem deutschen Jungen, der häufig an der Seite des Popstars gesehen worden sei. Der junge Deutsche, so berichtet Fox News, sei auch im Februar und März 1998 bei Jacksons dreiwöchigem Aufenthalt in München nicht von dessen Seite gewichen. Die Anwälte des Sängers neue Missbrauchsvorwürfe gegen ihren Mandanten als "Schmierenkampagne" zurück. Die Missbrauchsvorwürfe seien "skuril".




Nachtrag Aktuell 1. Mai 2004. Schlimmer Tag für Jackson
Nach Meinung von Rechtsexperten drohen Jackson bei einem Schuldspruch bis zu 29 Jahre Gefängnis. Einzelheiten über die ihm angelasteten Vorwürfe bleiben vorerst geheim.

Mit der Anklage wird klar, dass die Geschworenen-Jury der Mutter des Jungen Glauben schenkt, den Michael Jackson im Februar und März 2003 sexuell missbraucht und mit Alkohol gefügig gemacht haben soll. In Fernsehinterviews hatte die Frau den Star bezichtigt, den damals 13-jährigen krebskranken Jungen, seine zwei Geschwister und sie selbst auf der Neverland-Ranch festgehalten zu haben. Ausserdem habe er Pässe für die Familie besorgt, um sie ausser Landes zu bringen.
Bei der Anhörung waren Foto und Film Kameras aus dem Saal verbannt worden. Jackson gab sich bei seiner Vorladung wie ein Musterschüler. Um Seriosität bemüht, fährt er 15 Minuten zu früh vor dem Gericht vor. Statt einer dunklen Sonnenbrille trägt er ungetönte Harry Potter Gläser. Die Stadt Santa Maria hatte sich mit Barrikaden,Polizei und Zäunen für den neuen Gerichtstermin von Jackson gewappnet. Doch statt der erwarteter 1'000 bis 2'500 Fans kommen nur 300 und 500 um moralischen Beistand zu leisten. Enttäuscht sind sie, dass der Popstar nicht wie vor 3 Monaten auf das Dach seines Geländewagens steigt, um eine Tanz-Show abzuziehen.




Nachtrag Aktuell 19. September 2004. Jackson bereut Abfindungen
Quelle: Sonntagszeigung vom 19. September, 2004.


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