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www.rhetorik.ch aktuell: (9. Februar, 2002)


Bush's Worte sorgen für Aufsehen


Olympische Zeremonie Olympische Zeremonie An der Eröffnungsfeier an der Winter-Olympiade in Salt Lake City änderte Präsident Georges Bush am 9. Februrar 2002 die offizielle Eröffnungsformel. Normalerweise darf zur Eröffnung nur ein Satz gesagt werden. Bush fügte überraschenderweise noch eine Vorbemerkung an:
WTC Fahne bei Eroeffnungszeremonie "On behalf of a proud, determined and grateful nation." "Im Namen einer stolzen, determinierten und dankbaren Nation"
Olympische Zeremonie Olympische Zeremonie Es ist das erste Mal, dass ein Regierungschef persönlich den traditionellen Text an einer Eröffnungsfeier ergänzt. Ob diese eigenwillige Änderung der Spielregeln zum Präzendenzfall wird und künftighin auch andere Staatschefs von diesem neuen "Recht" Gebrauch machen?
Jedenfalls sorgten die paar Worte Bushs sofort nach der Feier für weltweites Aufsehen. In den Medien wurde dieses Verhalten unterschiedlich kommentiert.

Wir gehen davon aus, dass der Präsident die Chance auf der Plattform einer Weltarena (Milliardenpublikum) bewusst nutzen wollte.
Es ist gut möglich, dass er die nachträglichen Kritiken in Kauf genommen hat. Ob er mit diesem Bruch der Spielregeln die Öffentlichkeit absichtlich provozieren wollte? Mit welchem Ziel? Wir haben darauf hingewiesen, dass mit Provokationen unter Umstäden viel erreicht werden kann. Der Multiplikationseffekt ist garantiert. Die Aussage wird wiederholt. (Auch wir tun dies hier). In diesem Zusammenhang, siehe Bilderkampagnen oder Kleine Bemerkung, grosse Wirkung .

Die Zeremonie mit dem emotionalen Element (Feierliches Hineintragen der zerfetzten Flagge des World Trade Centers) machte allen Fernsehzuschauern bewusst, dass mit diesem lädierte Symbol auch das Symbol eines neuem USA-Traumas zelebriert worden ist. Das Hereintragen einer im WTC gefundenen US Fahne wurde im Ausland kritisiert. Sogar das Olympische Kommitee fand die Aktion zu politisch.

Olympische Zeremonie Olympische Zeremonie Die Worte Bushs müssen vielleicht im Zusammenhang mit dem nach dem 11. September gewachsenden Patriotismus in den USA gesehen werden. Für uns in Europa ist diese aussergewähnliche Welle von Staatstreue kaum nachvollziehbar. In den USA ist die Ansprache aber gut angekommen.
Nachtrag vom 20. Februar
Bush and Koizumi Im wirtschaftspolitischen Teil seiner Erklärung zum Abschluss des Japan-Besuchs sagte Bush, er hoffe, dass Koizumi die Probleme mit dem Yen in den Griff bekomme. Dabei unterlief Bush einmal mehr ein Versprecher, der sogar Börsenreaktionen auslöste: Bush sagte, er habe mit Koizumi über die Abwertung ("devaluation") des Yens gesprochen, worauf der Dollar kräftig stieg. Bushs Sprecher Sean MC Comack berichtigte später, der Präsident habe "deflation" - die anhaltende Schwäche des Yens - gemeint.
Beim Fernsehauftritt war noch einen nonverbalen "Versprecher" zu beobachten: Als sich Koizumi ans rechte Mikrofon begab, wies Bush den Japanischen Staatschef energisch auf die linke Seite. Diese gleichsam ungehaltenen Reaktion wirkte unsympathisch. Sie signalisierte: "Ich vertrete die Weltmacht Nr 1. Du spielst heute nur die zweite Geige!"


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