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www.rhetorik.ch aktuell: (09. Mar, 2020)

Ethische Probleme bei Corona

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Ein Vorschlag eines Oekonomen hat für Aufregung gesorgt. Oekonomen versuchen, zu optimieren. Es gibt aber auch Ethische Dilemmas. Auch wenn ein Vorschlag Sinn machen kann (der Corona Virus zum Beispiel bringt Spitäler an den Anschlag und gefährdet so Kranke, die unabhängig vom Virus schon krank sind. Eine kaputte Wirtschaft bringt viele in den Ruin und verursacht unabschätzbare Nebenwirkungen.) Die klassischen ethischen Dilemmas spielen solche Gedankenexperimente durch. Die Grundfrage ist: ist es richtig, einen Menschen zu opfern, um damit Hunderte zu retten? Die meisten Menschen sagen da Nein. Eines dieser Probleme ist das Trolley Problem das aus den 30er Jahren stammt.
Eine Strassenbahn ist ausser Kontrolle geraten und droht, fünf 
Personen zu überrollen. Durch Umstellen einer Weiche kann die 
Strassenbahn auf ein anderes Gleis umgeleitet werden. 
Unglücklicherweise befindet sich dort eine weitere Person. 
Darf (durch Umlegen der Weiche) der Tod einer Person in Kauf 
genommen werden, um das Leben von fünf Personen zu retten?
Die Analogie zum Virus ist klar. Der Vorschlag, den Virus zu ignorieren oder dann gezielt eine Gruppe von Menschen (die wenig Risiko haben) zu infizieren, um die Verbreitung so längerfristig zu bremsen, kann oekonomisch Sinn machen. Das ethische Problem aber, das kommt bei den meisten Menschen aber nicht gut an. Beim Trolley Dilemma ist es für die meisten Menschen klar, dass man nicht einen Menschen umbringen darf, um damit 5 zu retten.

Es gibt Situationen aber, wo die Optimisierung ohne Zögern durchgeführt wird, um Menschen zu retten. Ein Beispiel ist bei Militäreinsätzen, wo Vorgesetzte bewusst Kommandos in den Tod geschickt haben, um damit grosse Verluste zu verhindern. Im Falle des Vorschlags mit dem Virus kommt der Vorschlag nicht gut an. Es ist auch ein Kommunikationsproblem.

Andererseits, ist es schwierig alle Parameter zu berechnen. Der Corona Virus zum Beispiel hat die Luftverschmutzung in China verbessert und so vielleicht Tausende von Menschen mit Atemerkrankungen gerettet.
Quelle: NASA
Hier ist ein Ausschnitt aus dem "Interview mit Eichenberger in 20 Min:
20 Min: Wir sollen uns absichtlich krank machen? Eichenberger: Noch haben wir keine Impfung, darum brauchen wir Leute, die das Virus bereits gehabt haben und so "wie geimpft" sind. Für die meisten von uns ist Corona ja überhaupt nicht schlimm. Daher wäre es vielleicht richtig, dass die unter 65-Jährigen sich möglichst schnell infizieren, 14 Tage zuhause bleiben und dann wieder arbeiten, festen und reisen. 20 Min: Das gefährdet aber die älteren Menschen? Nein, im Gegenteil. Momentan wird alles ausgebremst, um diese Risikogruppe zu schützen. Doch das Virus wird die älteren Menschen sowieso erreichen. Und dann haben wir kaum Leute, die sie pflegen können ohne sich selbst und dann auch andere anzustecken. Daher müssen wir überlegen, jetzt Junge vorbeugend und gezielt zu durchseuchen.
Im Blick kommt eine Kritik vom BAG: Blick:
Mark Witschi, Leiter Sektion Impfempfehlungen und Bekämpfungsmassnahmen beim Bundesamt für Gesundheit, ist mit Eichenbergers Theorie nicht einverstanden. "Das was Reiner Eichenberger macht, ist eine Modellrechnung. Das Problem ist, dass unsere Gesellschaft nicht einem Modell entspricht, sondern eigene Gesetze hat", sagt er zu BLICK. Eine scharfe Trennung zwischen jenen, bei denen das Virus wahrscheinlich weniger gefährlich wäre und jenen, die die Krankheit härter träfe, sei unmöglich, so der Mediziner. Beispiele aus dem Ausland würden zeigen, dass auch junge gesunde Leute an einer Beatmungsmaschine landen und schlimmstenfalls sterben können. Für Witschi ist klar: "Eine solche Durchseuchung wäre einerseits ethisch nicht zu verantworten und anderseits in der Realität nicht umsetzbar."
Nachtrag vom 26. März 2020: Die Ethik Frage kommt nun auch in den Medien 20 Min. Leider wird das aber immer nur als ein Menschenleben gegen Wirtschaft hingestellt. Wirtschaft und Gesundheit sind aber verlinkt: wenn die Wirtschaft kaput ist, dann sterben auch viele Meschen, weil das Gesundheitswesen nicht mehr funktioniert. Es geht um den Ethischen Konflikt: Menschenleben gegenüber Menschenleben. Um das geht es bei den Ethik Dilemmas aus den 30er Jahren. Die These, dass eine Abflachung der Kurve Leben rettet, ist auch umstritten. Professor John P.A. Ioannidis von der Stanford Uni, der im Gebiet der Epidemiforschung arbeitet, hat darauf hingewiesen, dass bei einem Kollaps des Gesundheitswesen die meisten Menschen nicht von Corona sterben werden, sondern von gewöhnlichen Sachen wie Trauma, Verbluten, Herzinfakt, Schlaganfaelle usw. Das Verflachen der Kurve kann die Sache aber noch schlimmer machen. Statt einer kurzen, akuten Phase, wird das Gesundheitswesen nun lange gelähmt. Noch ist diese Sicht weg vom Mainstream. Hier ist der Artikel vom 17. März: Hier ist der Artikel. Ioannidis meinte dort, dass unsere Daten heute noch um Faktoren 300 falsch sein könnten. Gut an der Sache ist, dass je länger je mehr, wir mehr Daten haben.


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