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www.rhetorik.ch aktuell: (10. Sep, 2017)

Fotokolorierungs Programme

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Die Kunst, ältere Schwarz-Weiss Fotos farbig zu machen ist schon ziemlich fortgeschritten. Die Beispiele unten sind von Hand gemacht. Es gibt aber auch Programme, die das automatisch machen. Wir haben das Programm ausprobiert: zuerst ein Portrait fotographiert vom Fotographen Wessendorff, dann eine alte Foto vom Dorf Uhwiesen:
Der Spiegel hat einmal über das Programm berichtet.
Seit den Anfangstagen der Fotografie versuchen Künstler, diese Distanz zu überwinden: Sie kolorieren die Schwarz-Weiss-Fotos. Früher machten sie das in mühevoller Kleinarbeit mit Pinsel und Pigmenten. Heute erledigen sie es mit Grafiktablett und Photoshop, was nicht weniger mühevoll ist. Informatiker arbeiten daher seit Lšngerem an Computerprogrammen, die diese Aufgabe übernehmen könnten. Das Unternehmen Algorithmia bietet verschiedene Algorithmen an, die App-Entwickler in ihre Produkte einbauen können. Einer dieser Algorithmen koloriert Schwarz-Weiss-Fotos. In der neuen Web-Applikation "Colorize Photos" kann ihn jeder kostenlos ausprobieren. Es reicht, die Web-Adresse eines Fotos einzugeben oder das Bild direkt auf der Webseite hochzuladen und auf "Colorize it" zu klicken. Heraus kommt eine farbige Version des Originals. Zwar sind die Ergebnisse nicht so gut wie die der von Hand kolorierten Fotos. Sie können sich aber durchaus sehen lassen, wie diese Fotostrecke zeigt. Schickt man etwa Bilder von London durch das System, erstrahlen die Doppeldeckerbusse, Telefonzellen und die berühmten Grenadier Guards in rot. In Bildern von New York erkennt der Algorithmus die Yellow Cabs und verleiht den Autos ein sattes Gelb. Nur manchmal liegt er beim Strassenbelag daneben. Dann sieht es aus, als würden die Taxis über einen Rasen in Manhattan fahren. Gut funktioniert das Kolorieren bei Naturaufnahmen: Wälder sind grün, der Himmel blau mit weissen Wolken und Kühe bekommen ein realistisches Braun. Probleme hat das System mit ungewöhnlichen Farben, etwa bei den bunten Uniformen der Schweizergarde. Denen ordnet der Algorithmus einen undefinierbaren Braunton zu. Warum das Programm manchmal richtig liegt und manchmal nicht, verrät ein Blick auf seine Funktionsweise. Die Macher haben sie detailliert in einem Artikel beschrieben: Anhand von einer Datenbank mit einer Million Farbfotos lernt ein intelligenter Algorithmus, Strukturen in Bildern zu erkennen und zuzuordnen. Doch gerade wegen dieser Methode zeigt das Programm etwas, das die Informatiker "Datensatz-Einseitigkeit" nennen. Es kommt sehr gut mit Fotos klar, die denen aus dem Übungsdatensatz ähneln. Mit komplett anderen Fotos hat es hingegen Probleme. Die Informatiker präsentieren dafür Beispiele auf ihrer Webseite. Bei Granatäpfeln, Papageien und Pizzen trifft es die Farben nahezu perfekt. Bei Modems und Militäruniformen versagt es vollkommen. Vermutlich konnte das Programm sie nicht lernen, weil es in dem Übungsdatensatz besonders wenige Bilder aus diesen Kategorien gab. Das führt zur auffälligsten Schwäche des ansonsten interessanten Systems: Ausgerechnet mit historischen Fotos, für die das Kolorieren überhaupt erfunden wurde, kommt es nicht zurecht. Es färbt sie blass, falsch oder verleiht ihnen lediglich eine Sepiatönung. Der Grund dafür dürfte wieder in dem Übungsdatensatz liegen. Es gibt einfach kaum Farbbilder historischer Motive, denn sie stammen aus den Zeiten der Schwarz-Weiss-Fotografie. Und so haben auch Apps zum Kolorieren eine Distanz zu den historischen Bildern: Sie wissen auch nicht, wie die Welt zu dieser Zeit wirklich aussah. Doch das gilt nicht für alle historischen Aufnahmen. Alte Landschaftsfotos kann der Algorithmus recht gut kolorieren. Seine Macher haben ihn auf die Bilder des einflussreichen amerikanischen Landschaftsfotografen Ansel Adams angewendet. Die Ergebnisse wirken realistisch. Gleiches gilt für Bilder des berühmten Fotoreporters Henri Cartier-Bresson, der ebenfalls Schwarz-Weiss fotografierte. Man kann nicht sagen, dass die Kolorierung diese Bilder in irgendeiner Weise verbessert. Sie liefert auch keine echten Informationen, sondern zeigt lediglich eine plausible Farbversion der schwarz-weissen Fotos. Damit ist sie eine schöne Spielerei für alle, die wissen wollen, die wie Welt auf diesen Aufnahmen ausgesehen haben könnte.

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