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www.rhetorik.ch aktuell: (12. Feb, 2017)

Mit Humor gegen Fake News

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
In einer Zeit von alternativen Fakten wird das Aufdecken von Fake News zu einem Sport. Auch der Humor hilft mit. Die SNL Show, bei der Melissa McCarthy den Pressesprecher Sean Spicer mimt, wurde zu einem grossen Hit. Spiegel: Saturday-Night-Live-Sketch Spicer reagiert auf McCarthy-Parodie.
Ein Millionenpublikum sah den Sketch von Melissa McCarthy, in dem sie den Sprecher des Weissen Hauses, Sean Spicer, spielt. Der erklärt nun, er habe durchaus gelacht - mit einer Ausnahme.
20Min
Alternative Fakten, Pseudo-Terroranschläge, Fake News: Seit Donald Trump auf die politische Bühne getreten ist, hat sich die Arbeit der Nachrichtenjournalisten in den USA verändert. Der sogenannte Faktencheck ist für die Medien wichtiger denn je. Neue innovative Formate stossen beim Publikum auf ungewöhnlich grosses Interesse. "Wir schreiben über einen Präsidenten, der eine ganze Menge falscher Angaben macht", sagt Glenn Kessler, der in seinem "Fact Checker"-Blog für die "Washington Post" politische Äusserungen auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft. Je nach Grad der Lüge vergibt Kessler bis zu vier "Pinocchios". Im Januar verzeichnete die Internet-Seite laut Kessler 50 Prozent mehr Besucher als im Oktober und 15-mal mehr als im Januar 2013. Die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) veröffentlicht regelmässig Faktenchecks zu politischen Themen. In der vergangenen Woche stellte die AP erstmals eine Reihe umstrittener Aussagen zusammen unter der Überschrift "A week's supply of baloney", frei übersetzt: "Der Quatsch der Woche". Auch die Äusserungen von Trump-Beraterin Kellyanne Conway über das angebliche "Bowling-Green-Massaker" unterzog die AP einem Faktencheck. Der Text war am vergangenen Freitag der am häufigsten gelesene Beitrag auf APNews.com. Am Montag interessierten sich die Nutzer gemessen an der Verweildauer am meisten für eine AP-Story, die sich mit Trumps Vorwurf beschäftigte, die Medien würden zu wenig über Terroranschläge berichten. AP-Vizepräsident John Daniszewski beobachtet ein grosses Interesse an dieser Art der Berichterstattung: "Die Leute erwarten von einem knallharten Journalisten eine unabhängige Einschätzung darüber, ob eine Geschichte wahr, gelogen oder irgendetwas dazwischen ist." Für viele Medien gehört der Faktencheck inzwischen zum Alltag. Die "New York Times" titelte unlängst: "Das Weisse Haus verbreitet #alternative Fakten# - hier sind die wahren." NPR (National Public Radio), ein Zusammenschluss öffentlicher Hörfunksender, kommentiert Äusserungen aus Reden oder Debatten. Der Fernsehsender CNN korrigiert falsche Aussagen mit Hilfe von Grafiken. Und Scott Pelley, Chefmoderator der Abendnachrichten des Fernsehsenders CBS, sprach nach einem Bericht über Trumps Medienschelte am Montag von "realitätsfernen Präsidenten-Statements". Normalerweise treten Faktenchecks in den Hintergrund, wenn der Wahlkampf vorüber ist. Diesmal nicht. Im Gegenteil: "Wir haben in den nationalen Nachrichtenmedien ein unglaubliches Ausmass an Faktenchecks in einer Phase, in der das früher unüblich war", sagt Bill Adair, Professor an der Duke University und Mitgründer der Website PolitiFact.com. "Das hat schon immer zu unserer Aufgabe gehört, aber jetzt ist es wichtiger geworden", erklärt NPR-Chefredaktor Michael Oreskes. Anders als früher sei die Einschätzung des Wahrheitsgehalts einer Aussage kein Nebenaspekt mehr, sondern "in gewisser Weise ist das die Geschichte", sagt Oreskes. Und auch in anderen Medien werden Faktenchecks eher intensiviert als zurückgefahren. Die "Washington Post" will laut Kessler künftig auch mit Videos arbeiten. Die "New York Times" denkt über die Einrichtung einer eigenen Faktencheck-Redaktion nach. Die AP kooperiert mit Facebook, damit zweifelhafte Beiträge auf der Social-Media-Plattform als solche gekennzeichnet werden. Abzuwarten bleibt, inwiefern sich dies alles in der öffentlichen Meinung niederschlägt. Anders gefragt: Halten diejenigen, die den Medien insgesamt misstrauen, Faktenchecks für glaubwürdig? "Es gibt einen Unterschied zwischen Fakten und Wissen", sagt der Direktor des Instituts der Amerikanischen Presse (API), Tom Rosenstiel. "Ich kann dir sagen, deine Fakten sind falsch, und trotzdem ändert das nichts an deiner Überzeugung."

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