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www.rhetorik.ch aktuell: (22. Dez, 2007)

Die Verwundbarkeit der Internets

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Man sagt, der erste Weltkrieg sei der Krieg der Chemiker gewesen (Nervengas), der zweite Weltkrieg der Krieg der Physiker (Atombombe) und mutmasst, dass ein dritter Weltkrieg ein Krieg der Informatiker sein könnte. (Andere spekulierten, dass es ein Krieg der Mathematiker, der Biologen oder der Nanotechnologen sein wird. Sicher scheint nur, wie Albert Einstein einmal scherzhaft meinte, dass im vierten Weltkrieg wieder Holzkeulen eingesetzt werden).

Auch bei der Wirtschaftsspionage, der Wirtschaftskriminalität oder bei Wirtschaftskriegen spielt die Informatik eine immer grössere Rolle.




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Beispiel aus der Politik: Estland 2007

Als die Regierung in Estland eine bronzene Statue aus dem 2. Weltkrieg aus einem Park entfernte, wusste sie, dass das zu Strassenprotesten führen würde. Sie wussten auch, dass Reaktionen auf dem Internet folgen würden. In Estland ist das Internet vital. Es wird zum Abstimmen, für Steuern oder zum Einkaufen gebraucht, mehr noch als in den meisten anderen europäischen Ländern. Im April 2007 kam es zu einem Vorfall, der von vielen als "erster Krieg im Netz" gehandelt wurde: Der Angriff startete am 26. April 2007 abends. Obwohl die Estländer vorbereitet waren und zusätzliche Server und Firewall und Personal bereitgestellt hatten, begann schon am 29. April die Maginotlinie zu wanken. Der Parlamentsserver war unschädlich gemacht worden. Die "Denial of Service" Angriffe brachten Internetzeitungen, Banken, und Polizeinetzwerke zum Einsturz. Trotz internationaler Hilfe, die angreifenden Computer zu blockieren, verstärkten weltweite koordinierte Computerbotnets die Angriffe. Am 10 Mai 2007 musste auch die grösste Bank Estlands, die Hansabank ihre Internetpräsenz vergessen. Erst am 18. Mai ebbten die Attacken ab. Ein halbes Jahr später bewertet man den Begriff "Cyberwar" zwar als übertrieben, denn die Angriffsmethoden waren altbekannt. Um von einem Cyberwar zu sprechen, müssten auch kritische Infrastrukturen wie das Stromnetz oder Kontrollzentren von Kraftwerken angegriffen worden sein. Der Vorfall gibt aber einen Vorgeschmack auf einen zukünftigen "Krieg im Netz".


Die Internetinfrastuktur ist erstaunlich verwundbar auch ohne einen "Krieg im Netz".




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Militärisches Beispiel: Pentagon 2007

Das Informationsnetz des Pentagons wird täglich 3 Millionen mal von unbekannter Seite her gescannt. Meist stammen diese Abtastungsversuche von der USA und China. Ein Angriff auf die Computer der Verteidigungsdepartemente könnte der erste Schritt sein, die Kommunikation des Militärs zu lähmen. Im September dieses Jahres musste das Pentagon der "Financial Times" verlauten lassen, dass Chinesische Cyberspione eine unbekannte Anzahl von Verteidigungsemails vom Server gestohlen haben und möglicherweise Zugriff zu klassifizierten Dokumenten erhalten haben. Ein Teil des Pentagons musste für mehr als eine Woche geschlossen werden. Zur selben Zeit sind die Rüstungsliferanten "Boeing", "Northrop Grumman", "Raytheon" und "Lockheed Martin" von China aus gehackt worden. Ein Grund für die Verwundbarkeit von Computernetzen ist auch eine Monokultur der Betriebssysteme. Praktisch alle Attacken kommen von Windows PC's. Wie im Dezember zu lesen war, soll sich im US Militär seit 2005 auch zunehmend das Apple Betriebssystem gebraucht werden. Mehr Vielfalt von Betriebsystemen ist eine Hürde für eine Verbreitung der Angriffe.


Der Krieg im Netz trifft auch die besten Adressen.


Beispiel aus dem Business: Zürcher Rotlicht Millieu 2007

Auch der folgende Beitrag aus "20 Minuten" zeigt, wie wichtig und fragil heute die Internetpräsenz fürs Geschäft sein kann, auch wenn es sich um das älteste Geschäft der Welt handelt:

Im Zürcher Rotlichtmilieu wütet seit Monaten ein Unbekannter. Mit Internetangriffen legt er diverse Webseiten von Bordellen lahm. Ein Bordellbesitzer bietet nun 30'000 Franken für jenen, der den oder die Täter findet. Seit Monaten werden die Internetseiten von Zürcher Bordellen mit gezieltzen DDOS-Attacken lahmgelegt oder gar zerstört. Am längsten den Attacken ausgesetzt ist seit drei Monaten ein Freier--Forum, das täglich 50'000 Zugriffe zählte, wie die "SonntagsZeitung" berichtet.

Auch viele andere holen sich die Kundschaft im Netz. Ist ein Bordell offline, bleiben die Gäste aus. Wenn seine Kunden nicht nachschauen könnten, ob eine bestimmte Prostituierte nicht da sei, kämen sie gar nicht erst, sagt ein Klubbetreiber.

"Wir haben in Bern Strafanzeige gegen unbekannt eingereicht", sagte Swisscom-Sprecher Chris-tian Neuhaus der Zeitung. Die Swisscom war vorübergehend selbst betroffen von den Angriffen, weil das besagte Freier-Forum zur Swisscom gezügelt war. Doch auch dort wurde man von Hunderttausenden Zugriffen ferngesteuerter PCs lahmgelegt.

Rotlichtszene und Justiz tappen im Dunkeln. Das Milieu rätselt über das Motiv des Täters. Ein Bordellbesitzer bietet nun 30'000 Franken für jenen, der den oder die Täter findet. In der Szene vermutet man, dass es sich um einen Konkurrenten oder einen religiösen Eiferer handle. Doch die meisten glauben an einen Täter aus den eigenen Reihen.


Wer vom Netz geworfen wird, existiert für diese Zeit nicht mehr.

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