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www.rhetorik.ch aktuell: (07. Dez, 2007)

Gerhard Blochers verbaler Reinfall am Rheinfall

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Über Hans-Jörg Fehr: Das ist der allerletzte Mensch auf dem Erdboden
Der Rheinfall als Gleichnis. Wie das Wasser, dass auch nicht frage ob es runterstürze oder nicht, müsse er tun, was er tun muss.
Man wollte den Blocher einsperren. ... Dann haben sie gemerkt, dass er zwar im Gefängnis ist, aber der Christoph ist der Gefängnisdirektor.
Das Beste wäre, man würde alle Parteipräsidenten ersetzen. Und zwar all.
Sackmesserszene: Das Bundeshaus ist eine Festung. ... Wenn man hereingeht, ... , dann ist das Einzige, das man hat: Nachkampf und Blut ... .
Vielleicht ist alles in grosser Irrtum. Vielleicht kommt aus, dass wir er und ich und alle zusammen gottvergessen geirrt haben. (...) Wenn er es merkt, dann muss er sagen: "Ich war nie etwas anderes als ein Versager".


Quelle: SF DRS.
Den Bruder von Christoph Blocher, Gerhard Blocher, hatte ich noch vor Jahren als intelligenten Seelsorger von Gehörlosen kennen gelernt. Was jedoch Gerhard im Film Reportage- Reporter - Gebrüder Blocher - Betrachtungen vor der Bundesratswahl im Schweizer Fernsehen über den Bruder Christoph und die Politik verlauten liess, war dermassen abstrus und grotesk, dass mich ein Zuschauer gefragt hatten, ob wohl Gerhard Blocher bei seinen fragwürdigen Äusserungen betrunken gewesen sei. Gerhard lachte immer wieder über seine hämischen Bemerkungen wie ein Irrer. Eine Fernsehzuschauerin brachte es auf den Punkt. Das Verhalten von Gerhard lasse sich einfach erklären, sagte sie: Weil sein Bruder Bundesrat geworden ist, sei ihm dies in den Kopf gestiegen (Grössenwahnsinn kann Leute auch berauschen - sie befinden sich in einem Wahn). Gerhard habe gleichsam in einem Höhenrausch gesprochen. Tatsächlich schien Gerhard Blocher nicht mehr Herr seiner Sinne zu sein. Im Jahr 2003 wählte das Parlament Christoph Blocher in den Bundesrat, den Mann mit dem Willen, die Schweiz umzubauen. Bruder Gerhard, der Pfarrer, erklärte im Fernsehbeitrag, was sein Bruder im Bundesrat alles zu tun habe.



Auf die Frage, sind wir auf Blocher reingefallen? Macht Gerhard Blocher Aussagen, die zu denken geben. Das Ziel des Auftrages formuliert Gerhard in einer abstrusen Kriegsrhetorik. Gerhard Blochers irre Aussagen werden immer wieder von einem hämischen, bösartigen Lachen und Grinsen begleitet. Der Film beginnt zwar friedlich am Rheinfall und endet mit dem Wortspiel über das "Reinfallen auf die Blochers" am Rheinfall. Der Beitrag ist aus meiner Sicht für die Blochers tatsächlich ein Reinfall. Falls der Autor des Filmes die Absicht gehabt hätte, Bundesrat Blocher zu demontieren, so hat Gerhard Blocher hiezu dem Filmemacher die idealen Sätze geliefert. Der Beitrag macht bewusst, wie wir uns vor Mikrofon und Kamera immer bewusst sein müssten, dass all unsere fragwürdigen Gedanken zusammen geschnitten werden können. Wer sich jedoch vor Mikrofon und Kamera seiner Antworten stets bewusst bleibt und weiss, dass jede Formulierung, jeder Satz gespeichert ist, würde sich nie so verhalten, wie es Gerhard Blocher getan hat. Ich kann mir die unbedachten Aeusserungen nur damit erklären, dass der Theologe Blocher tatsächlich im Grössenwahn, im Höhenrausch bei den Befragungen die Kontrolle verloren haben muss. Für das Blocher -kritische Boulevardblatt BLICK waren die unbedachten Aeusserungen von Gerhard Blocher aus dem Fernsehbeitrag ein gefundenes Fressen. Am Freitag nahm er diese bedenkliche Geschichte auf als Titelseite gross auf. Blochers Ausrutscher konnten somit medial verstärkt werden (Trittbrettverhalten der Medien).



Der "Blick" titelte: Irrer Auftritt "Blochers Bruder schockt TV-Zuschauer" :ZÜRICH 289'000 TV-Zuschauer trauen ihren Ohren und Augen nicht. Gerhard Blocher (74), Bruder von Bundesrat Christoph Blocher (67), geht in der SF-Sendung "Reporter" auf alles los, was ihm in den Weg kommt und redet vom "blutigen Nahkampf" im Bundeshaus."


Gerhard Blocher hat leider nicht gelernt, wie die Medien ticken. Er weiss immer noch nicht mit den Medien umzugehen, Schon vor Jahren hatte er einem Journalisten vor seiner Haustüre eine Kopfnuss versetzt. Das gab schon einmal aine Mediengeschichte. Und beim jüngsten Verhalten vor der Kamera war er sich nicht bewusst, dass seine angeblich originellen, übertriebenen Bilder und Verhaltensweisen geschnitten und verewigt werden können.
  • Das Schweizer TV zeigt ungeschminkt, wie sich der Ex-Pfarrer am Wahlsonntag über SP-Präsident Hans-Jürg Fehr äussert, der im Wahlstudio nur wenige Meter neben ihm steht: Gerhard Blocher: "Das ist der allerletzte Mensch, den es gibt auf diesem Erdboden."
    Reporter: "Wegen?" Blocher: "Sie müssen ihn mal anschauen. So sieht man einfach nicht aus."
    Reporter: "Und politisch, was verbricht er denn so Schlimmes?"
    Blocher: "Gar nichts. Gar nichts verbricht er. Er kann gar nichts verbrechen. Er ist so ein schwächlicher Dummkopf. Er hat nur eine grosse Schnorre. Und das Allerschlimmste: Er läuft dauernd in einer Maske herum vom Hochintellektuellen. Und wenn ich ihm in die Nähe kommen würde, würde ich ihm sofort ins Gesicht greifen, um die Larve wegzureissen (gluckst). Und dann käme das ganze Gesicht mit."
  • Die Fehr-Attacke war nicht die einzige Szene, die für Empörung sorgte. Gerhard Blocher sprach im Film von "ausmerzen". Gerhard Blocher: "Christoph muss den ganzen Sauladen unserer Schweizer Politik ausräumen. Ob er das fertig bringt, weiss ich nicht. Das kann noch Jahrzehnte dauern. Das muss ausgemerzt werden."
  • Das Bundeshaus ist für Gerhard Blocher nicht nur ein "Sauladen", sondern "eine Festung mit dicken Mauern". Er redet wirr von "Fliegern, Panzern und Artillerie" und von einem "Sperrfeuer", das sein Bruder ausgerichtet habe. Dann zückt der Blocher-Bruder ein Sackmesser. Das sei Christophs letztes Mittel, sagt er in die TV-Kamera. "Es heisst Nahkampf und Blut", sagt er und beginnt ein fiktives Gespräch mit seinem Bruder: "Bist du in der Lage, das zu ertragen? Kannst du dich dort drin behaupten? Vielleicht haben die anderen ja auch ein Sackmesser. Wenn die merken, dass du es rausnimmst, nehmen sie es auch raus."
Kommentar Diese unrühmliche Mediengeschichte so kurz vor den Bundeshauswahlen könnte dem Image des Bundesrates Christoph Blocher grossen Schaden zufügen. Jedenfalls gehe ich davon aus, dass Christoph Blocher keine Freude haben kann am Auftritt seines Bruders. Gerhard hat Christoph eindeutig geschadet. Wenn Silvia Blocher schon früher - nach der Bundesratswahl - die Kontakte zu Gerhard zurückbinden wollte, so ist dies nun im Nachhinein mehr als verständlich. Silvia Blocher hätte somit wenigstens in diesem Fall - als Beraterin Recht gehabt. Christoph hätte sich von seinem Bruder viel deutlicher absetzen müssen. Weil der Film über Gerhard im Titel und in der Aufmachung impliziert, dass die beiden Brüder wie Pech und Schwefel zusammenhalten und der Film -in der Ankündigung und im Bild- die Zuschauer im Glauben lässt, beide Brüder würden analog ticken, besteht immerhin die Gefahr, dass für Christoph die Wahl zum Bundesrat oder hinsichtlich der Nichtwahl als Vizebundespräsident- negativ beeinflusst werden könnte. Persönlich gehe ich jedoch davon aus, dass die Bevölkerung differenzieren kann, zwischen dem Verhalten und der Rhetorik des Bundesrates Christoph und dem fragwürdigen Verhalten des Bruders Gerhard. Der Unterschied ist offensichtlich. Der Film wird somit der SVP so wenig schaden, wie die unzähligen Anti-Bocher Beiträge, die der "Blick" vor den Wahlen veröffentlicht hatte.




Nachtrag: 7. Dezember, 2007: Gerhard Blocher nimmt nichts zurück

Gerhard Blocher, Ex-Pfarrer aus Hallau und Bruder von Bundesrat Christoph Blocher, bereut seine Aussagen in der SF Sendung Reporter nicht. Gegenüber Radio Munot erklärte Gerhard Blocher, er wolle jedes Mal provozieren, wenn er etwas sage. Welche Reaktionen Blocher nach der Sendung erhalten hat, wollte er nicht sagen. Das Schweizer Fernsehen sprach in der Sendung Reporter vom Mittwoch mit Gerhard Blocher. Dabei kritisierte Blocher unter anderem auch Hans-Jürg Fehr, SP-Präsident und Schaffhauser Nationalrat. Fehr hatte daraufhin zahlreiche Briefe und Mails erhalten. Pfarrer und einige SVP-Mitglieder hätten sich bei ihm gemeldet und entschuldigt, so Fehr gegenüber Radio Munot. 289 000 Zuschauer haben am Mittwoch die Sendung Reporter gesehen.


Pressespiegel



Nachtrag vom 9. Dezember 07: Christoph Blocher kritisiert den Bruder Uns fiel auf, dass der fragwürdige Auftritt von Gerhard Blocher in den Printmedien nur durch den Blick gross aufgemacht worden war. In der übrigen Presse haben wir keine Beiträge über den Ausrutscher des Theologen Blocher gefunden. Nur in der Sonntagszeitung (Konkurrenz zu Sonntagsblick) wird heute ein Beitrag veröffentlicht, der jedoch zeigt, dass sich Christoph Blocher von gewissen Aussagen des Bruders distanziert.

Übrigens diskutiert der Publikumsrat auch noch darüber, ob es überhaupt richtig gewesen sei, diese "bösartigen" Aussagen zu senden. In jüngster Zeit musste sich Ueli Haldimann (Chefredaktor SF) einige Male mit Beanstandungen auseinandersetzen.

Der "SonntagsZeitung"-Beitrag basiert nach unseren Beobachtungen auf Blochers Äusserungen im Internetforum "Teleblocher".


Nachtrag vom 4. Juli, 2008: Blocher Film der "Reporter Sendung" freigesprochen:

Die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen hat Beschwerde mit 7 zu 1 Stimme abgelehnt.

Blick: Den Film "Vom Reinfallen am Rheinfall - Betrachtungen des blocherschen Weltbildes" hat das Schweizer Fernsehen SF am 5. Dezember 2007 ausgestrahlt.

Der Beschwerdeführer machte unter anderem geltend, es handle sich um einen "Kampf-Film", der den damaligen Bundesrat Christoph Blocher kurz vor der Wahl gezielt schlecht gemacht habe.

Obwohl auch die Mitglieder der UBI die Gleichsetzung der Weltbilder der beiden Brüder Blocher für problematisch hielten, folgten sie diesen Argumenten nicht. Insbesondere hielten sie den Film nicht für manipulativ, weil die Parlamentsmitglieder ihre Wahl nicht aufgrund eines Fernsehbeitrags fällten."
Quelle: Blick



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