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www.rhetorik.ch aktuell: (26. Jun, 2007)

Zu Blochers Führungsprinzip

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Bereits im Dezember 2000 zitierte ich Blochers umstrittenen Aussage über die Führung aus der SonntagsZeitung vom 2. Dezember 2000:

"Führung misst sich am Erfolg. Kommunikation, Umgangsformen machen nicht das Wesentliche der Führung aus ... Erfolgreiche Führungspersönlichkeiten haben vor allem eine gemeinsame Eigenschaft. Sie zeigen manchmal - fast eine unheimliche Verpflichtung - gegenüber der Sache."


Damals bekannte sich Blocher zur fragwürdigen Aussage:

"Von menschenorientierter Führung halte ich nichts."


Mich ärgere damals diese absolute These. Für einen Kommunikationsberater kann die Sache nicht wichtiger sein als der Mensch. Für mich ist es immer eine Selbstverständlichkeit gewesen, dass Botschaft und Mensch gleichermassen wichtig sind. Aus meiner Sicht müsste deshalb in jedem Führungsprinzip der Auftrag und der Mensch unter einen Hut gebracht werden können. Es gibt in dieser Frage kein "Entweder- oder", sondern ein "Sowohl als auch".

Nachdem nun am 25. Juni Matthias Ackeret sein jüngstes Buch "Das Blocher Prinzip" in roten Salon des Landesmuseums in Zürich vorstellen durfte, interessierte es mich, vor Ort zu erfahren, was Blocher heute zur Bedeutung des Menschen in der Kommunikationslandschaft meint. Das Buch "Das Blocher Prinzip" ist attraktiv aufgemacht und leserfreundlich geschrieben. In verschiedenen Interviews mit Blocher trug der Autor die wichtigsten Erfolgsformeln zusammen und schälte diese Prinzipien heraus. Es ist unbestritten, dass Christoph Blocher als Vater, als Offizier, Manager und Politiker überall erfolgreich war. Ackeret muss sich gefragt haben: An was kann dies wohl liegen? Christoph Blocher war an der Buchvernissage persönlich anwesend und Peter Rothenbühler interviewte den Bundesrat vor den geladenen Gästen und der Presse. Ich stellte bei den Antworten des Bundesrates fest, dass Blocher seine These aus dem Jahre 2000 revidiert hat. Mit der früheren pointierten Bemerkung habe er bewusst einen Kontrapunkt setzen wollen zum heutigen verbreiteten Führungsverständnis, das den Auftrag oft vernachlässigen. Viele Vorgesetzte hätten zu menschenorientiert geführt. Es wurde mir bewusst: Für Christoph Blocher ist der Mensch letztlich nie Zweck, sondern nur Mittel zur Auftragserfüllung. Deshalb spricht er immer noch von "Untergebenen" und nicht von "Mitarbeitern". Damit lässt sich Blochers "neues" Führungsprinz wieder ins ins klassische Kommunikationsdreieck Ich-Du-Sache einnordnen. Es ist tatsächlich unbestritten, dass die Auftragserfüllung in der Praxis zu oft ausser Acht gelassen wird und es vielen Führungspersönlichkeiten in erster Linie nur darum geht, teamorientiert zu führen und schön miteinander zu reden.

Blocher sagte zu seinen Prinzipien: "Meine Gegner werden mein Buch von A bis Z falsch verstehen!" Ich bezweifle dies. Denn Blochers Aussagen sind verständlich und einfach formuliert. Matthias Ackeret hat im Freundeskreis erlebt, dass man nur ein Prinzip zu Besten geben müsse, wie beispielsweise Blochers originelle These:

"Führungspersonen sollten bei Untergebenen keine Fragen zulassen, sondern nur Anträge."


Dann sei sichergestellt, dass die zitierte Blocherthese garantiert Anlass zu grössten Auseinandersetzungen gebe.




Nachtrag vom 28. Juni 2007: Die erste Auflage des Buches ist bereits ausverkauft. Quelle.




Tagesanzeiger vom 2. Juli 2007
Nachtrag vom 4. Juli 2007: Der Tagi vom 2. Juni glossierte Blochers umstrittene These "Ein Untergebener soll keine Fragen, sondern einen Antrag stellen."
Constantin Seibt kommentiert Blochers These: Der Untergebene hat den Auftrag nicht zu hinterfragen. Er hat ihn auszuführen. Ist der Auftrag falsch, so ist dies Sache des Vorgesetzten. Dieser trägt die Verantwortung. Gemäss Blochers Führungsverständnisses, kann der Untergebene einen Antrag stellen. Dieser soll eine Begründung enthalten was falsch ist und mit welcher Alternative es anders zu machen wäre. Stellt der Untergebene einen Antrag, denkt der Untergebene für den Chef. Das sei Führung von unten.


Tagesanzeiger vom 2. Juli 2007
Dass die auftragsorientierte Führungsphilosophie Kritiker auf den Plan ruft, war zu erwarten. Dies macht auch der Aushang des "Tagi" deutlich. Vor allem Blochers These, dass Fragen an den Chef nicht zulässig seien, wird im Artikel "Demut, Disziplin, Depressionen" in Frage gestellt. Wir stellen fest: Blocher Thesen polarisieren. Wer die Thesen nachlesen will, kann das Buch direkt bestellen.




Nachtrag vom 4. Juli, 2007

Norbert Thom differenziert in einem "Espace" Interview Blochers Führungsprinzipien. Wie wir, lehnt auch er es ab, dass ein Chef die Sache wichtiger nimmt als den Mitmenschen und bestätigt, dass man den Ausdruck "Untergebene" heute in keinem Lehrbuch mehr findet. Das Wort "Untergebene" verwendete man höchstens noch in den 1960er- Jahren. Er betont auch, dass wer mit Blocher zurechtkommt, sich bei ihm sehr wohl fühlen mag. Diese menschenorientierte Seite Bochers wird nach unserem Dafürhalten zu wenig herausgeschält. Blochers eher militärischen Prinzipien, die sich der Formel Kommandieren - Kontrollieren - Korrigieren anlehnen, taugen heute wenig, falls die Beziehungsebene zum Mitarbeiter keine Rolle spielt. Wer mit Menschen zu tun hat, wird keinen Erfolg haben, wenn er den Menschen nicht wertschätzt. Einverstanden sind wir mit dem Prinzip, dass der Auftrag und das Ziel nie aus den Augen verloren werden sollte und dass beim Ziel Konsequenz gefordert ist. Ein wichtiger Punkt für Thom ist, dass der Führungstil auch eine Sache der Persönlichkeit ist ("nicht jeder Mensch ist ein Christoph Blocher") und auch branchen und regions abhängig ist ("Leute vom Land sind weniger wechselbereit als Städter, dafür treuer gegenüber einem echten Patron. Als Leiter einer Werbeabteilung in Bern hätte derselbe Christoph Blocher mit demselben Führungsprinzip wohl keinen Erfolg gehabt."


Nachtrag vom 20. September 2007: Ein Inserat, das preisverdächtig ist.

Das Inserat enthält alles, was zur perfekten Werbung gehört: Es hat Humor, weckt Aufmerksamkeit und das Produkt steht im Vordergrund, nicht der Gag.



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