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www.rhetorik.ch aktuell: (17. Mai, 2007)

Keckeis glückloser Umgang mit Worten

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Für Terroristen bedeute Neutralität gar nichts, hatte der Armeechef in einem Interview mit der "Zürichsee-Zeitung" vom Dienstag gewarnt.

"Wir müssen damit rechnen, dass sich ein Anschlag ereignet, ja ich bin sicher, dass er passieren wird."
Diese Aussage führte postwendend zu einem Wirbel. Wie kann jemand so weit gehen und prognostizieren, dass die Schweiz sicher einen Terroranschlag erleben wird? Als Anwalt von Keckeis könnte man zwar darauf hinweisen, dass der Viersterngeneral lediglich eine persönliche ich-Aussage gemacht hat und damit die Prognose nicht allgemein gültig ist. Der kurze Satz wurde jedoch als verbindliche Prognose verstanden. "Treten sie ab, Herr General!", fordert SP Schweiz am Mittwoch in einem Communiqué . Mit seiner Warnung vor terroristischen Anschlägen in der Schweiz habe sich Armeechef Christophe Keckeis auf "unverantwortliche" Weise als "Brandstifter" betätigt. Keckeis "schüre Terrorangst, damit das Militär mehr Aufgaben für die Gewährleistung der inneren Sicherheit" erhalten.


Die Worte des Armeechefs finden wir auch unglücklich. Er könnte sich nämlich als Wahrsager nur dann einen Namen machen, falls während der nächsten Monate tatsächlich ein Terroranschlag stattfinden würde. Damit ist aber kaum zu rechnen. Es ist nicht das erste Mal, dass sich der Armeechef im Umgang mit Medien unglücklich verhalten hat: Die Geschichte rund um das berühmt gewordene Keckeis Interview hatte uns schon damals gezeigt, dass vor der Publikation eines Interviews, Auseinandersetzungen um ein paar Worte folgen können. Im erwähnten Fall wollte Bundesrat Schmid das Interview zurücknehmen. Er verlangte 150 Änderungen und 40 Änderungen in der dritten Überarbeitung.

Da der Armeechef gerne offen (undiplomatisch?) und unverblümt spricht, muss er seine Aussagen meist im Nachhinein präzisieren, berichtigen oder die Worte in den entsprechenden Kontext stellen.

Als Keckeis beim Armeeinsatz in Evian so nebenbei sagte, man müsse mit Toten rechnen, wurde diese Bemerkung nachträglich in den Medien ebenfalls gross ausgeschlachtet. Keckeis musste seine Aussage rechtfertigen.

Der Armeechef ist Pilot und weiss genau, dass vor jedem Flug immer allfällige Pannen und Probleme antizipiert werden müssen. Dies sollte er auch im Umgang mit den Medien bedenken. Es ist lobenswert, dass Armeechef Keckeis sich immer bemüht, kurz und bündig reden. Das ist zwar lobenswert. Reizworte wie "Ich bin sicher" hätten aber unbedingt genauer umschrieben werden müssen.

In unseren individuellen Coachings lernen Sie die Balance zu finden zwischen Kuerze und Ausführlichkeit. Ein Training lohnt sich.


Nachtrag vom 19. Mai, 2007: die SP den Rücktritt von Keckeis gefordert.



Nachtrag vom 20. Mai, 2007: Kommentar in der NZZ am Sonntag

Die NZZ schreibt: "Dass ein Anschlag möglich ist, ist eine Binsenwahrheit. Zu prophezeien, es passiere mit Sicherheit, ist Angstmacherei. Wahrsagerei gehört nicht zum Job-Profil eines Generals.

Die Episode zeigt:

Bei Aussagen in den Medien gilt: Gesagt ist gesagt!



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