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www.rhetorik.ch aktuell: (28. Apr, 2007)

Klevere Werbung oder kontraproduktiv?

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Hans-Jörg Fehr versprach nach dem SP Debakel im Kanton Zürich, die Partei müsse künftig schriller kommunizieren. Er sei eher der vermittelnde Typ, intellektuell und sei als Parteipräsident nicht ein Mann der lauten Töne. Er müsste möglicherweise andere beauftragen, die andere Rolle übernehmen Der Schweizerische Gewerkschaftbund hat nun bereits diese neue Rolle übernommen. "Die 5. IV-Revision will die Versicherungsleistungen für verschiedene Gruppen von Behinderten streichen oder massiv reduzieren", findet der Schweizerische Gewerkschaftsbund auf seiner Homepage zur IV-Revision.


Mit einer provokativen und polemischen Postkartenaktion will der Gewerkschaftsbund für ein Nein werben. Körperbehindert, als Alkoholiker und mit amputierten Gliedern präsentieren sich die Herren Bundesräte Merz, Blocher und Couchepin. Bundesrat Hans-Rudolf Merz ist auf dem Karte an den Rollstuhl gefesselt. Blocher und Maurer fehlt je ein Bein. Die Bundesräte haben gemäss "Tages-Anzeiger" zu dieser Darstellung keine Erlaubnis gegeben. Rechtlich soll es keine Möglichkeit geben, einzuschreiten, da es sich um Postkarten, und nicht um Plakate gehandelt hat.


Kommentar: Es wäre interessant zu erfahren, was Hans-Jürg Fehr zu dieser Kartenaktion sagt. Werbemässig sind die Bilder ein Erfolg. Wie bei anderen provokativen Bildern, wird davon gesprochen und sie werden überall abgebildet. Es kommt zu einem Multiplikationseffekt. Medien müssen die Bilder zeigen, damit das Publikum weiss, von was man spricht. Auch wir publizieren die Photomontagen in diesem Beitrag. Anderseits ist zu befürchten, dass bei dieser Aktion die Rechnung nicht aufgeht und die Aktion kontraproduktiv ist. Wenn es zu einem Mitleideffekt kommt, dann könnte der Gewerkschaftsbund zum Sündenbock werden.


Quelle: Blick online Blick Leser Reaktionen
  • "Geschmacklos; spricht für den IQ der zuständigen Leute!"
  • "Macht nur weiter so mit eurer extrem linken Politik. Diese Aktion wird der SP enormen Stimmenverlust bei den Nationalratwahlen bescheren. Eine dümmere Art ist kaum vorstellbar. Ergebnis kontraproduktiv für die SP und die Gewerkschaften!"
  • "Völlig daneben. geschmacklos, unanständig gegenüber Behinderten und gegenüber den Bundesräten. SVP- Stil hoch zwei. Die zeigen mit dieser Aktion, dass sie kein Niveau haben. Mit so was macht ein normaler Mensch keine Witze!"


Diese Provokation wurde in den Medien publiziert, ohne Klage oder Proteste der betroffenen Politiker. In der Regel empfehlen wir, Provokateure zu ignorieren. Nichts ärgert sie so sehr, als das Ignorieren. In diesem Fall ist die Provokation so krass, dass sie auch ohne Proteste einen Medienwirbel ausgelöst hat. Die Macher haben damit ein Ziel erreicht, das jeder PR Berater will: Aufmerksamkeit. Dennoch könnte die Kartenaktion für die Macher letztlich zum Eigengoal werden.


Nachtrag vom 6. Mai, 2007: Eine Betroffene protestiert.

Der Sonntagsblick beleuchtet, wie eines der Bilder produziert worden ist. Schlagerstar Vanessa Grand sieht ihren Körper für eine der Fotomontagen missbraucht. Sie wurde nicht gefragt. Sie will klagen.



Grand meinte:

"Ich bin sehr traurig und wütend, dass man einfach den Kopf von Bundesrat Merz auf meinen Körper montiert hat ohne mich vorher zu fragen. Was der Gewerkschaftsbund sich da erlaubt hat, ist eine Sauerei!"


Pietro Cavadini, der für die SGB Kampagne verantwortlich ist, meinte, dass die Fotos von seinem Grafiker von einer Agentur erhalten worden seien. Grand meint aber, dass sie nie Fotos für diese Kampagne freigegeben habe. Medienrechtler Franz A. Zölch:

"Die Verwendung des Bildes verletzt ganz klar das Recht am eigenen Bild."


Der Grundsatz "Mein Körper gehört mir" gelte auch für die Abbildung von Teilen des Körpers,

"Vor allem dann, wenn sie erkannt und zugeordnet werden können."



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