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www.rhetorik.ch aktuell: (16. Jan, 2007)

Geht der Krug zum Brunnen, bis er bricht?

Rhetorik.ch Artikel zum Thema:
Seit Jahren kommentieren wir die menschenverachtenden Urteile Bohlens. Die Boulevardmedien veröffentlichen jeweils genüsslich seine angeblich originellen Bemerkungen. Im Knill-BLOG kommentierte ich jüngst die letzten letzten üblen Killersprüche des Exekutionsrhetoriker. Ich wies darauf hin, dass jeder Erzieher entlassen oder bestraft werden müsste, der bei einer echten Berurteilung (es geht nicht um eine Satiresendung!), Jugendliche derart beschämt, erniedrigt oder beleidigen würde. Selbst wenn ein Erzieher erklärt, er habe die Aussage gar nicht so gemeint- es sei ja nur Spass gewesen. Der Erzieher wäre in vielen Fällen schon das erste Mal untragbar geworden,würde versetzt oder entlassen.


Endlich soll nun, wenn es nach dem Beitrag im "20 Minuten" geht, dem üblen Menschenverachter endlich doch ein Riegel geschoben werden. Es sieht jedoch schon wieder so aus, als werde der "Krug" immer noch nicht brechen und Bohlen werde nach wie vor ohne Konsequenzen "zum Brunnen gehen" dürfen. RTL sieht sich im Beitrag nicht als Erziehungsanstalt. Wir unterstützen die Bedenken:

Aus journalistischer Überlegung müsste ein Strich unter das üble Kapitel "Bohlen" gemacht würden. Es ist eine Zumutung fürs Publikum, wenn Bohlen weiterhin Jugendliche ungestraft psychisch schädigen dürfte.


Nachtrag vom 17. Januar 2007: Ich bin ehrlich nicht menschenverachtend

Bohlen wehrt sich gegen den Vorwurf, er ginge in der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar zu hart mit den Kandidaten ins Gericht. Bohlen:

"Ich würde mich absolut dagegen verwehren, dass meine Sprüche menschenverachtend sind. Ich sage ja nie, du bist hässlich oder du bist dick oder so, ich sage deine Stimme ist scheisse. Das kann man natürlich netter sagen. Aber ich lüge eben nicht."


Seine Begründung ist, dass das Musikgeschäft ist ja auch viel härter geworden ist. "Wenn du einen Flop machst, bist du weg vom Fenster." Weil mit Schallplatten heute eben kaum noch Geld verdient wird. Deshalb bin ich auch härter geworden. Wir habens ja immer bisher noch nicht geschafft, einen Robbie Williams zu finden. Also müssen wir doch noch härter selektieren. Natürlich machen wir ein bisschen Show. Wir wollen tolle Einschaltquoten. Und ich ganz besonders möchte, dass die Kiddies sagen Ey, Bohlen hat die geilsten Sprüche.

Bild liebt harte Hammersprüche, auch wenn sie beleidigend und menschenverachtend sind. Hauptsache, die Kasse stimmt.

Kommentar: Bei der zwischenmenschlichen Kommunikation stellen wir immer wieder fest, dass taktlose Leute - die Mitmenschen erniedrigen oder blossstellen - sich gerne hinter der Selbstschutzbehauptung verschanzen: "Wir sind eben ehrlich und offen!" Auch Bohlen rechtfertigt seine Beleidigungen mit Offenheit und Ehrlichkeit. Er sage ja nur offen, was Sache ist. Offen kritisieren heisst jedoch nie: Taktlos sein zu müssen.

Auch wir sind dafür, dass Urteile nicht beschönigt werden. Zwischen sachlicher Kritik und Verurteilungen liegen jedoch Welten. Individuelle Wahrnehmungen dürften zudem nie als Wahrheit deklariert werden (Ich sage die Wahrheit). Das harte Urteil müsste stets als subjektive Wahrnehmung deklariert werden. Kritiker dürfen sich auch nie über die Kritisierten lustig machen. Wenn sich Kritiker nur noch dank Schadenfreude profilieren können, muss dies zu denken geben. Dass Fäkalsprache nichts mit Fachkritik zu tun hat, ist unbestritten. Das müsste auch ein Dieter Bohlen wissen. Als er beim Tauchen jüngst von Haien attackiert worden ist, hätte er erkennen können, wie es den Jugendlichen zu Mute ist, wenn sie von Dieter Bohlen angegriffen werden.


Bunte 5/07: Sprüche unter der Gürtellinie. "Und die Quote stimmt, dank Killerrhetorik und Schadenfreude."



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