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www.rhetorik.ch aktuell: (23. November, 2006)

O.J. Simpsons Buch: 'Wenn ich es getan hätte'



Vor 12 Jahren hat ein Mordprozess in den USA alle Medien in Beschlag genommen. Der ehemalige Football Star O.J. Simpson war damals angeklagt, seine ehemalige Frau Nicole Brown und deren Freund Ronald Goldman 1994 ermordet zu haben.


Verfolgungsjagt auf den Strassen von Los Angeles.
Es war der erste am Fernsehen "live" übertragene Prozess und ein Medienspektakel sondergleichen. Eine Verfolgungsjagt auf der Autobahn hatte den Zirkus eingeleitet. Im Prozess mit Staranwälten wurden DNA Analysen und Blutspuren vorgelegt, die jeden anderen Angeklagten klar verurteilt hätten. Tatsächlich sind 80 Prozent aller Amerikaner nach Umfragen der Meinung, dass Simpson schuldig ist. Es gab aber auch Fehler und eine rhetorische Meisterleistung von Simpsons Anwalt Johnnnie Cochran brachte es fertig, eine Wende herbeizuführen und den Angeklagten freizusprechen.
Ein Prozess als Medienspektakel im Jahre 1994/1995.



Simpson im Prozess.
Ein blutiger Handschuh, der die Polizeibehörden als Täterkleidung benannt hatten, passte Simpson bei der Anprobe im Gerichtssaal nicht. Cochran's Ausruf mit dem Reim:
If it ain't fit, you must aquit!

("Wenn er nicht passt, dann spricht ihn frei")

Simpson beim Freispruch im Jahre 1995.
wurde zu einem geflügelten Wort. Die Juroren sahen genügend Zweifel, den prominenten Angeklagten freizusprechen.

Kritiker sahen im Freispruch bestätigt, dass man sich mit genügend Geld in den USA einen Freispruch erkaufen kann. Trotz des Freispruchs im Strafprozess hat ein Zivilgericht aber Simpson später schuldig gesprochen und ihn zu 33.5 Millionen US-Dollar Schadenersatzzahlungen verurteilt. Simspon hat bisher aber keinen Rappen bezahlt.


Das vom Sender gestrichene Interview von Simpson mit Judith Regan. Das Interview wäre am 27. und 29. November ausgestrahlt worden.
Vor ein paar Tagen, am 16. November, wurde auf dem Sender "Fox Network" ein kontroverses Interview mit Simpson angekündigt, in dem Simpson für sein neues Buch "If I Did It" ( = "Wenn ich es getan hätte") werben sollte. Das Buch sollte am 30. November erscheinen. In diesem Buch soll Simpson beschreiben, wie er denn die Doppelmorde ausgeführt hätte, falls er selbst der Täter gewesen wäre.
Der Verlag "HarperCollins" des Buches ist mit dem Sender "Fox Network" verbunden. Die Empörung in den USA war zu gross: da soll der Mörder noch die Frechheit haben, Geld aus seiner Mordtat zu schlagen. Viele fanden das schamlos. Angehörige von Goldman forderten gar einen Boykott des Senders.

CNN, vom 16. November: Die Verlegerin des Buches Judith Regan meinte "Ich betrachte das als Geständnis".
Judith Regan
Die Verlegerin Judith Regan
Das Interview zum Buch wurde dann auch abgesagt. Der Verlag zog die Veröffentlichung des Buches zurück. Simpson selbst sagte, er hätte den Deal aus einem einzigen Grund gemacht: des Geldes wegen. Simpson hätte 3.5 Millionen Dollar für das Buch gekriegt.
Fernsehreklame auf Fox für das Interview, bevor die Stecker gezogen wurden.



Spiegel Artikel über das Buch auf Ebay.
Der Medienunternehmer Rupert Murdoch entschuldigte sich persönlich bei den Hinterbliebenen der Familien:

Ich und das Kader stimmen mit dem Amerikanischen Publikum überein, dass dies ein falsches Projekt ist. Wir entschuldigen uns bei den Familien von Ron Goldman und Nicole Brown Simpson


Einige Exemplare des Buches waren aber schon in den Buchhandel geliefert worden. Auf dem Online-Verkaufshaus "Amazon" war das Buch auf Grund von Vorbestellungen in die Top-20 Liste gekommen. Der Verkaufspreis eines Buch soll auf einer eBay-Auktion binnen 3 Stunden auf 1'600 Dollar geklettert sein. Die Auktionsplattform verbot dann die Auktion. Am Ende wurden 8'300 Dollars geboten. (Es gibt einen Snapshot von der Webseite unten).

Wird das kontroverse Buch durch den Rückzug gar zu einem Kult und Sammlerobjekt? Der Seltenheitswert könnte die Verbreitung des Buches eventuell noch anheizen. Bisher sind jedoch auf dem Web noch keine Kopien zu sichten.

Auch die Satire profitiert: Es gibt auch schon Filmparodien, wie auf Google Video Beispiel.


Fotografien vom Buch auf Ebay



"Ebay" Webseite mit Buch. Link 23. November 2006. 8'300 Dollars wird für das Buch mit Item Number 250053281298 verlangt.



Das Englische Online Magazin "First Post" titelt: "Der Mann, den sie zu hassen lieben" und zeigt eine Foto von Simpson mit Victory Zeichen.

Das Englische Online Magazin "First Post" titelt: "OJ: Publiziere und Sei Verdammt". Judit Regan sei eine Verlegerin, die keine Angst habe, Schmutz zu präsentieren.


Nachtrag vom 16. Dezember 2006

Judith Regan, die Managerin von ReganBooks, wurde am Fridag, dem 15. Dezember entlassen.


Nachtrag vom 13. März, 2007: Das Buch wird doch herauskommen.

Das Buch soll doch in Auktion verkauft werden. Der Gewinn vom Buch soll an die Goldman Familie gehen, denen Simpson noch 35 Millionen von einer Zivilklage schuldet.


Nachtrag vom 15. Juni 2007: Der Vater des ermordeten Opfers Fred Goldman bekommt die Rechte des Buches.: Simpson's Buch wird vermutlich unter dem Titel "Bekenntnis eines Mörders" auf den Markt kommen. Die Rechte für das Buch wird ein Teil der 33.5 Millionen Wiedergutmachungssumme sein und wurde nun der Goldman Familie zugesprochen.


Nachtrag vom 20. Juni 2007: Das Buch ist online: Das Buch ist online zu lesen: Hier.


Nachtrag vom November 2007: Das Buch ist auf dem ursprünglichen Link nicht mehr erreichbar aber immer noch weitverbreitet. Zum Beispiel hier.


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