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www.rhetorik.ch aktuell: (27. Oktober, 2006)

Totenkopf Skandal Fotos





Quelle: Christian Gapp: Bild sei Dank
Bilder von Bundeswehrsoldaten, die in Afghanistan mit Totenschädeln posierten, haben zu einer Welle der Empörung geführt. Die Bilder könnten zu einem gewaltigen Imageverlust der Bundeswehr führen.

Quelle: Reuters report (war auf Bild und Spiegel zu sehen). Die Bilder, von Soldaten als Andenken gemacht, wurden dann aber auf unbekannte Weise der "Bild" Zeitung zuspielt. Es kam zu einer Flut von Bildern die deutsche Soldaten mit Totenschädeln zeigt. Der Fernsehsender RTL zeigte unter anderem eine Szene, in der mehrere Schädel auf einem Bundeswehr-Fahrzeug gestapelt wurden.


Die Bilder datieren vom 11. März 2004 und sind damit rund ein Jahr später aufgenommen worden, als die zuerst von der "Bild-"Zeitung veröffentlichten. Die afghanische Regierung rief Deutschland dazu auf, die mutmasslichen Leichenschändungen aufzuklären. Die Fotos seien ein Verstoss gegen islamische Werte und Traditionen. Der Skandal führte auch über ausführliche Diskussionen um die Motivation der Medien, solche Bilder zu zeigen. Die Motivation nach hoen Auflagen spielt natürlich eine Rolle. Ähnlich, wie ein Ausspruch

Man darf nicht "Gottverdammi" sagen,


die Freude am Aussprechen des Fluches auslebt. Die "Bild" Zeitung zeigten die Bilder in erster Linie, um sie zu veröffentlichen. Man kann das natürlich auch allen Folgepublikationen oder Kommentatoren vorwerfen. (Dieser Aktuellartikel ist dabei miteingeschlossen.)



Kongo Müller

Ein Artikel von Thomas Kramer mit Titel "Schädel, Knochen und Edelweiss" weist auf eine ältere Geschichte hin, bei der europäische Soldaten im "Auslandseinsatz" ähnliche Fotos gemacht haben:

Solcherart Umgang mit dem Gebein des Feindes geniesst bei europäischen Soldaten im "Auslandseinsatz" seit jeher Tradition. Als Lord Kitchener 1899 den ersten modernen islamistischen Gottesstaat im Sudan, übrigens eine üble Diktatur, zerschlagen hatte, liess er dessen Gründer, den Mahdi, exhumieren und die Gebeine in den Nil werfen. Kitcheners ursprüngliche Absicht, den extra einbehaltenen Schädel dem Londoner "College of Surgeons" zur Verfügung zu stellen, gab er zugunsten einer schlichten Beisetzung auf einem Kairoer Friedhof auf. Doch auch das Gebaren der rechtgläubigen mahdistischen Glaubenskrieger zeugte nicht von einer Achtung der Totenruhe. Sie stellten den abgeschnittenen Kopf des von ihnen 1885 ermordeten englischen Generals Gordon öffentlich zur Schau. Titelbild einer DDR-Publikation. Das Foto zeigt einen belgischen Söldner aus der Truppe von "Kongo-Müller". Bild: Th. Kramer




Nachtrag vom 7. Dezember:

Die Staatsanwaltschaft hat das Ermittlungsverfahren gegen die Bundeswehr Soldaten, die mit Totenschädeln posiert hatten, eingestellt. Die Knochen stammten nicht von einem Friedhof sondern aus einem lehmigen Gelände, auf dem die afghanische Bevölkerung seit Jahren Lehm für ihre H&aum;user abbaue. Die Konchenteile stammen vermutlich von sowjetischen Soldaten. Quelle: Spiegel online.


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