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www.rhetorik.ch aktuell: (20. Oktober, 2006)

Das Kreuz mit dem Kreuz bei British Airways



British Airways hat eine Mitarbeiterin entlassen, weil sie den Kreuzschmuck nicht unter der Uniform trägt. Kopftuch und Turban werden aber mit der Begründung zugelassen, dass sie nicht unter der Uniform verborgen werden könnten.

Die Entlassung der Frau entspricht dem Reglement der Firma: Die Kleiderordnung für Beschäftigte der BA sieht vor, dass religiöse Symbole unter der Uniform getragen werden müssen, wenn dies möglich ist. Diese Logik wird aber von vielen nicht verstanden: Entweder müssten alle religiöse Zeichen verboten werden, oder sie müssten auch alle geduldet werden. In England rief die Parlamentarierin Ann Widdecombe zum Boykott von British Airway auf.

"Die Welt" kommentiert: Die Kontroverse erweitert die aktuelle Debatte um die Verschleierung muslimischer Frauen zu einer bedeutsamen kulturellen Auseinandersetzung.


Der "Blick" bringt die Problematik auf einer Seite auf den Punkt.


Der "Swiss"-Sprecher Jean-Claude Donzel meint im "Blick"

"Bei uns ist es erlaubt, eine Halskette offen zu tragen da darf auch ein religiöses Symbol dran sein."


Im Gegensatz zu British Airways ist bei der Swiss-Uniform kein Kopftuch oder Turban erlaubt:

"Bei unserer Uniform gibt es keine Kopfbedeckung. Nur ein Foulard um den Hals."


Zur Frage ob das Kopftuch Verbot nicht diskriminierend sei, meint Donzel

"Eine Uniform ist eine Uniform. Wir sind hier in der Schweiz. Es gab noch nie Probleme."


Ob es Probleme mit Mitarbeitern in islamischen Ländern gibt? Donzel:

"Nein, wir haben fast kein eigenes Bodenpersonal im Ausland."

Kopfbedeckung, Symbole, Tracht oder Code

Bei der Diskussion müsste vielleicht differenziert werden, zwischen Religiöser Kopfbedeckung, die oft von religiösen Menschen verlangt werden. Ein Verbot würde Mitglieder von Religionen vom Ausüben des Berufs ausschliessen. Das "zur Schau Stellen" von religiösen Symbolen hingegen ist aus religiösen Gründen nicht zwingend.

Firmen stellen im Allgemeinen Anforderungen an die Angestellten: z.B. Leibchen mit Aufdrucken oder Broschen mit politischen Statements verbieten, das Kravattentragen bei Bankbeamten zur Pflicht machen, Nasendiamanten bei Moderatoren aus Berufstechnischen Gründen zu verbieten. Das Tragen von religiösen Symbolen könnte bei einer Firma wie British Airways, die international operiert, den Profit schädigen und Kunden verlieren. Die Frage bleibt:
  • Hat die Firma die Reaktionen antizipiert?


Kopfbedeckung

Turban(Sikhismus)

Kopftuch(Islam (*))

Kippah(Judentum)

Hut(Griechisch Kirche)
Symbole

Khanda(Sikhismus)

Kreuz(Christentum)

Chai(Judentum)

Halbmond mit Stern(Islam)
Trachten

Toyra(Islam)

Nonnenkleid(Christentum)

Kasel(Katolische Kirche(

Gartel und Hut (Judentum)
Frisur

Indianerhaar (Punk)

Glatze (Neonazi)

Lange Haare (Hippie)

Zopf beim Mann (Sport oder Kunst)
Dresscode

Stiefel(Neonazi)

Stirnband (Hippie)

Panzerjacke (Punk)

Vermummung (Anarchist)


(*) Obwohl auch in vielen biblizistischen oder evangelikalen Gemeinschaften des Christentums eine Kopfbedeckung für Frauen selbstverständlich ist, wird in der öffentlichen Diskussion das Kopftuch meist dem Islam zugeordnet.

Herausforderungen

Auf der einen Seite sind religöse Toleranz, das Recht auf freie Meinungsäusserung, Andererseits spielen auch Sicherheitsfragen oder der Wunsch nach Trennung von Religion und Staat eine Rolle.

Quelle: BBC
  • Muss eine Frau unverschleiert für ein Passfoto, einen Führerschein fotographiert werden wenn diese Dokumente müssen die Personen identifizieren können?
  • Darf ein Schüler eine Waffe als religiöses Symbol mit sich herumtragen? In Kanada hat ein Gericht trotz Protesten von Elternverbänden entschieden, dass ein Sikh Schüler einen Dolch mit sich herumtragen darf.
  • Ist das Kopftuch ein Symbol für die Unterdrückung der Frau und desshalb zu verbieten?
  • Dürfen Schüer aus religiösen Gründen von bestimmten Schulaktivitäten wie Sport oder Schwimmunterricht entschuldigt werden?
  • Dürfen Schulen oder einzelne Lehrer religiöse Symbole im Klassenzimmer aufstellen?
  • Wie weit dürfen Schüler mit Kleidercodes gehen? Kleidercodes sind oft eher ideologischer oder politischer Natur.


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