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www.rhetorik.ch aktuell: (17. September, 2006)

Gedanken zu Mäni Weber





Der frühere Radio und Fernsehmoderator Hermann "Mäni" Weber ist am Freitag in Luzern im Alter von 72 Jahren gestorben. Mäni Weber ist heute eine TV Ikone, der mit dem Ratespiel "Doppelt oder nüt" (1963-1970) oder "Wer gwünnt?" (1973-1977) Schweizer Fernsehgeschichte geschrieben hat. Er wird in der wahrscheinlich als einzige echte Schweizer TV Star in die Mediengeschichte eingehen. Seine Sendungen waren Strassenfeger. Von 1965 bis 1976 stand er für die Sendung "Praktische Medizin" eine Sendung, die 1967 mit dem Grossen Preis von Cannes für die beste Live-Dokumentarsendung ausgezeichnet wurde. 1968 erhielt er den "Tele-Brillant". Siehe 50 Jahre Schweizer Fernsehen Das wird bei der heutigen Vielfalt von Fernsehstationen kaum mehr möglich werden. Nach dem Tod wird er nun überall gewürdigt. Die Medien werden gewiss zalreiche Bilder und Filme aus dem Leben des berühmten Medienmannes veröffentlichen.

Den Radio und Fernsehprofi lernte ich an seiner letzten Sendung 1977 im Fernsehstudio kennen, als mich der Unterhaltungschef Marco Stöcklin mit ihm bekannt machte.
Mir fiel schon damals auf, dass er vor einer Sendung viel weniger konzentriert formulierte, als wenn er vor Mikrofon und Kamera stand. Das Rampenlicht konnte dem Sprecher stets den notwendigen Kick verschaffen. Die meisten Menschen werden durch Stress gelähmt. Mäni hingegen wurde durch Stess erst richtig präsent.


Ich hatte das Glück, dass ich hernach Mäni Weber für verschiedenste Anlässe gewinnen konnte:
  • Als Sprecher von Grossanlässen.
  • Als Referent an der Volkshochschule.
  • Als Sparringpartner bei meinen Medientrainings mit Führungskräften.
Wir entwickelten ein eigenes Modell des Mediencoachings. Mäni verriet den Führungskräften, wie Journalisten die gewünschten Antworten herauslocken können und wir machten den Teilnehmern bewusst, dass niemand vor Mikrofon und Kamera Angst haben muss - sofern er das ABC der Medienrheotrik erwirbt.

Für mich waren die Jahre mit Mäni Weber eine schöne, wertvolle, aber auch eine lehrreiche Phase. Ich vergesse nie mehr, wie er oft - während die Videos abgespielt wurden - mit dem Stift Blümchen zeichnete, nur den Ton hörend. Nachher aber plötzlich völlig konzentriert seine Beobachtungen auf den Punkt bringen konnte. Mäni liebte das Exklusive. Luxus genoss er. Persönlich blieb er jedoch bescheiden. Dennoch schätzte er es, wenn man ihn auf der Strasse kannte. Als Mäni das erste Mal bei mir war, fragte mich anderntags ein Nachbar, er habe das Auto von Mäni Weber bei uns gesehen. Er wollte wissen, ob dies tatsächlich sein Auto gewesen sei. Ich erkannte damals, was es heisst, prominent zu sein.

Später erlebte ich auch noch Mänis Rückzug aus dem Scheinwerferlicht. Dies fiel ihm schwerer, als er es nach aussen wahr haben wollte. Als beispielsweise im letzen gemeinsamen Seminar ein junger Manager seinen Namen nicht auf Anhieb sagen konnte (er war zu dieser Zeit "nur" noch Radiojournalist), machte der "Fernsehstar" ein konsterniertes Gesicht. Mäni - national hätte sicherlich nicht Nein gesagt, wenn man ihn wieder für Sendung angefragt hätte. In Weggis ärgerte er sich, wenn ihn jemand gefragte hatte, ob er in einem Altersheim wohne.


Nachtrag vom 18. September 2006:

1968 wählte das Publikum Mäni Weber zum beliebtesten Fernsehschaffenden. Er erhielt den "Tele-Brillant". Er beendedt 1977. Seine markante Stimme allerdings war noch bis 1994 regelmässig in Radiosendungen zu hören. In jenem Jahr liess sich der Redaktor und Sportberichterstatter frühzeitig im Alter von 60 Jahren pensionieren. Seither lebte er am Vierwaldstättersee in Weggis.

Finanzielle Gründe zwangen ihn im Jahr 2000, von seinem luxuriösen Appartement in eine Ein-Zimmer-Wohnung im Personaltrakt des Altersheimes zu ziehen. "Höhen und Tiefen eines Fernsehstars", heisst denn auch der Untertitel der 2002 erschienenen autorisierten Biographie von Cornelia Diethelm.

Weber sei der hierzulande der "einzige Showmensch in dieser Grösse" gewesen, urteilte Diethelm in der Sendung "Memo" von Schweizer Radio DRS zum 70. Geburtstag des einstigen Quizmasters. Nicht nur habe er das Fernsehen geprägt, sondern ihn habe noch ein "gewisser Glamour" umgeben.

Mäni Weber selbst sah dies nüchterner. Er habe sich nie als Star empfunden, sagte er in der gleichen Sendung. Stars seien für ihn Leute wie Frank Sinatra. Und unter "Ihr Erfolgsrezept?" im oben erwähnten Fragebogen notierte er: "Da sich die Erfolge in Grenzen hielten, empfehle ich kein Rezept."

Quelle: Persönlich,com




Nachtrag vom 3. Oktober: Mänis Wunsch ging in Erfüllung

Mäni Weber suchte sich eine spezielle letzte Ruhestätte aus. Es wünschte explizit, dass seine Asche über dem Rütli verstreut wird. Auch ich habe Mäni während der Jahre der gemeinsamen Tätigkeit erlebt, der sich besonders für die Fliegerei begeistern konnte. An der Wehrschau Z 79 (in Zürich) war er beispielsweise gerne bereit, als Kommentator und Sprecher bei der Militärfliegerei mitzumachen. Menschen, die dem Fernsehidol am nächsten gestanden waren,


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