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www.rhetorik.ch aktuell: (22. Februar, 2006)

Vogelgrippe: Es wird ernst

Links: Medien als Angstmacher? Krisenkommunikation und Medien Vogelgrippe und die Medien Vogelgrippe, Gefahr oder Histerie?




Dass die Vogelgrippe auch in Europa Fuss fasst, war zu erwarten. Als die ersten Fälle in der Türkei auftauchten, kam es zu einem enormen Medienwirbel. Nun zeigt sich: Obschon Regierungen und Institutionen aus den Erkenntnissen hätten lernen können, mangelt es an Vorbereitungsmassnahmen.
  • Wiederum gibt es Unklarheiten hinsichtlich der Frage: Sollen die Hühner geimpft werden oder nicht?
  • Die Absperrmassmahmen sind nicht vorbereitet worden. Es fehlt auch an Personal. Das Militär musste aufgeboten werden. Leute liefen ins Sperrgebiet. ABC Truppen mussten zur Bergung der toten Vögel aufgeboten werden.
  • Es fehlt an Schutzanzügen und Masken.
  • Helfer trafen zu spät ein.
  • Desinfektionssperren müssen nun nachträglich improvisiert werden.
In Deutschland titelte der "Spiegel" "Mieses Krisenmanagement". "Vergammelnde Vogelkadaver, die nicht eingesammelt werden, fehlende Absperrungen: Das Krisenmanagement auf Rügen lässt zu wünschen übrig. Doch wer ist dafür zuständig? Bund, Land und Gemeinde machen sich gegenseitig verantwortlich." Obwohl in der Schweiz Hans Wyss vom BVET beruhigt, die Situation in Deutschland habe für die Schweiz keine unmittelbare Konsequenzen, so macht die Kritik von Migros Sprecher Urs-Peter Naef bewusst:

"Die Kommunikation nach den jüngsten Fällen war erneut schlecht und hat eher für Verunsicherung gesorgt!"


Zuerst habe es geheissen, die Schweiz sei vom Vogelzug nicht betroffen. Nur ein paar Tage später wurde aber die Stallpflicht verordnet. Gesundheitsminister Couchepin schweigt und überlässt die Kommunikation seinen Untergebenen oder den Kantonen.

Die "Migros" ergreift nach der "Sonntags Zeitung" vom 19. Februar nun selbst interne Massnahmen. So rüstet sie Lastwagenchauffeure und Geflügelzüchter mit Schutzmaterial aus. Für die Schlachthöfe hat die Migros Desinfektionsschleusen vorbereitet.

Wir zweifeln daran, dass landesweit die notwendigen Vorbereitungsmassmahmen koordiniert worden sind. Sind in der Schweiz alle Stellen mit Schutzmaterial ausgerüstet? Jedenfalls fehlt immer noch ein Koordinator.

Vogelgrippe

1997 Die erste Übertragung des Virus auf einen Menschen in Hongkong
2005 Das Virus taucht in der Türkei, in Rumänien und Kroatien auf
2006 Erstmals auch aus Afrika gemeldet. In toten Vögeln aus Frankreich, Italien, Deutschland und Österreich nachgewiesen
Bisher haben sich weltweit rund 170 Personen mit dem Virus angesteckt, mehr als 90 davon sind daran gestorben. 30'000 Geflügelzüchter halten in der Schweiz rund 8 Millionen Hühner, Gänse und Enten. Die erneute Stallpflicht gilt ab 20. Februar und wird frühstens im Mai aufgehoben. Die 1. Stallpflicht dauerte vom 25. Oktober bis 15. Dezember 2005.



Quelle
Nachtrag vom 24. Februar: Erste Vogelgrippe-Fälle auch in Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg. Die Behörden beruhigen. demonstrative Gelassenheit.

Am Bodensee wird der Strand von Überlingen nach toten Vögeln abgesucht. Auf der Promenade der Stadt war eine H5N1-infizierte Ente gefunden worden. Soeben ist in Frankreich bei Hühnern in einem geschlossenen Stall die Vogelgrippe ausgebrochen.


Nachtrag vom 26. Februar 2006: Auch in der Schweiz
Die Vogelgrippe hat die Schweiz erreicht: Erste Fälle wurden in Genf und bei Stein am Rhein festgestellt. Der Direktor des Bundesamts für Veterinärwesen Hans Wyss meinte:

"Wir gehen vom schlechtesten Fall aus. Wir können die Proben im Schweizer Referenzlabor in Zürich nur auf H5 untersuchen, deshalb haben wir sie ans Referenzlabor in Grossbritannien geschickt."


Thomas Zeltner, der Direktor des Bundesamtes für Gesundheit warnte vor Panikreaktionen, empfiehlt aber:

"Für die Schweizer Bevölkerung sind keine besonderen Massnahmen vorgesehen. Man soll aber keine toten Vögel berühren und nach Kontakt mit einem Vogel die Hände gut waschen."


Nachtrag 5. März: Die Vogelgrippe erreicht auch Schaffhausen

Auch in Schaffhausen ist der erste Vogelgrippefall nachgewiesen worden. Knill + Knill befindet sich unweit des Rheinfalls, 5 Kilometer von der Stadt Schaffhausen entfernt. Unsere Katze "Zora" weiss in Uhwiesen noch nicht, dass sie möglicherweise demnächst das Haus nicht mehr verlassen darf. Deutschland hat jedenfalls diese umstrittenen Massnahme letzte Woche in den betreffenden Zonen bereits eingeführt. Nun erleben wir hautnah, wie gut oder wie schlecht Massnahmen international koordiniert werden. Dank der unterschiedlichen Auffassungen von Fachleuten ist es durchaus möglich, dass Entscheide bei der Vogelgrippe ebenfalls nachträglich gekippt werden- so wie beim Hunderassenverbot. In der heutigen Sonntagspresse vom 5. März 2006 war nämlich zu lesen, dass Bundesrat Deiss das angekündigte Pitbullverbot - zum grossen Erstaunen der Bevölkerung - wieder zurücknehmen will. Wir verstehen jetzt, weshalb der Direktor des Bundsamtes für Veterenärwesens, Hans Wyss, irritiert sein muss. Er ist verpflichtet, gute Miene zum bösen Spiel zu machen, auch dann, wenn sein Chef einmal mit Hüst und einmal mit Hot führt.




Nachtrag 5. April 2006: Die Vogelgrippe ist erstmals bei Nutztieren in Deutschland ausgebrochen

In einem Stall mit 1400 Hünern in Wermsdorf bei Leipzig hatte sich das Virus ausgebreitet. 16'000 Tiere müssen getötet werden. Laut Experten könnten Katzen einee Rolle bei der Übertragung gespielt haben.


Nachtrag vom 4. August, 2007: In einem Stausee in der Nähe von M&uum;nchen ist Vogelgrippe nachgewiesen worden



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