Rhetorik.ch


Knill+Knill Kommunikationsberatung

Knill.com

www.rhetorik.ch aktuell: (27. Januar, 2006)

Politisch unkorrektes Schaumgebäck

Sprachpolizei säubert Schulbücher


"Mohrenköpfe" dürfte man eigentlich nicht mehr sagen. Der Ausdruck ist diskriminierend. Sie werden heute meist als "Choco-Köpfli" angeschrieben. Im Welschland wurde der "Tête de nègre" zum "Tête de Chocolat". Andere Namen sind Schaumkuss, Negerkuss, Schokokuss, Elefantenfuss, Erdbeerkuss, Cocoskuss, Mokkakuss.

Es gibt andere Begriffe, die aus Rücksichtnahme auf Bevölkerungsgruppen verschwunden sind. Der Begriff "Zigeuner" etwa, der etymologisch von "Ziehender Gauner" abgeleitet ist, ist heute durch "Fahrende" ersetzt worden.


Trotz aller Korrekturen bleibt der politisch unkorrekte Begriff für das Schaumgebäck im Volksmund verankert und ist nicht aus den Köpfen der Konsumenten wegzubringen. Die meisten verlangen trotz der Korrektur nach wie vor "Mohrenköpfe". In der BAZ vom 20. Januar wurde die Frage gestellt:

"Sind die bleichen Mailänderli mit den gepinselten Eierschicht nicht auch rassistisch oder die Japonais mit dem braunen Tupfer?"


Beim Mohrenkopf fehlen für das Schaumgebäck volksnahe Synonyme. Der Name stammt aus der Zeit Ende des 19. Jahrhunderts, als Wilhelm II Gebiete in Afrika annektierte. Während dieser Zeit soll ein deutschen Konditor seinem süssen Schaumgebäck den Namen "Mohrenkopf" gegeben haben. Der Begriff wirkte angeblich verkaufsfördernd.


Othmar Richterich, der bereits in der dritten Generation die "Têtes de Chocolat" herstellt, nennt übrigens sein Produkt weiterhin "Mohrenkopf" und zwar "mit Absicht". Heikel sei nicht der Name, sondern das, was man damit verbindet, erklärte Richterich.
Wir finden die Bezeichnung "Mohrenkopf" weniger diskriminierend wie die rassistische Bezeichnung "Negerkuss", die leider auch noch verbreitet ist.


Rhetorik.ch 1998-2011 © K-K Kommunikationsberatung Knill.com