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www.rhetorik.ch aktuell: (16. Juli, 2005)

Marathon-Rhetorik

Schily vor Ausschuss, Quelle: spiegel.de Spiegel online



Otto Schili In einem Marathon-Vortrag hat zwar der Deutsche Innenminister Otto Schily vor dem Visa-Untersuchungsausschuss leine Fehler eingestanden, aber vordringlich das Aussenamt seines Kollegen Fischer kritisiert. Über Stunden konnte man einen Redner erleben, der gut vorbereitet war und wusste, was er wollte.

Spiegel online sprach von "Fünf Stunden Selbstgerechtigkeit". Der SPD-Innenminister hatte vor seinem Auftritt auch 129 eng bedruckte Seiten auf den Holztisch im Sitzungssaal gelegt, die seit Monaten vorbereitet worden waren. Daneben platzierte er Ordner mit Akten, Gesprächsnotizen und anderes Material. Als der gelernte Anwalt in monotoner Art zu reden begann und auch jede Seite vorlas, wusste man, dass es eine lange Sitzung werden würde.

Der Anfangsmonolog Schilys dauerte fünf Stunden und zehn Minuten. So lange hatte noch kein Zeuge gesprochen. Immer wieder wurde Schily von der Opposition gedrängt, zum Schluss zu kommen. Schily liess sich nicht beeindrucken. Seite für Seite las er vor. Schily dozierte viel über die Visa-Politik im Allgemeinen, - sagte jedoch wenig Konkretes über die zu untersuchenden Fehler im Innen- und Aussenministerium. Die stundenlange Marathon Aussage war gewiss geplant. Schily liess sich nie von seinem Kurs abbringen.

Hans-Peter Uhl Sichtlich amüsiert stritt sich Schily mit dem Ausschussvorsitzenden Hans-Peter Uhl von der CSU über Verfahrensdetails, dozierte aus der Strafprozessordnung und hatte stets das letzte Wort. Er liess sich viele Papiere nochmal zeigen oder begann, Briefe langatmig vorzulesen. Die Opposition reagierte genervt: Schon in zwei Stunden drehte Uhl dem Minister plötzlich das Mikrofon ab. Offen kritisierten die Oppositionsleute später in Pausen, der Minister wolle das Ende der Vernehmung absichtlich nach hinten verziehen. Beim Abschalten des Tones sprach Schily ruhig weiter.


Aus dem Spiegel "Live ticker": Schily nach 4 Stunden zu den Mitgliedern des Untersuchungsausschusses:

"Ich hab ihre Geduld einigermassen beansprucht".


Dann redet er weiter. Schily verweist auf die Notwendigkeit seiner ausführlichen Erklärung. Uhl äussert die Hoffnung, dass Schily zu Ende kommt. Schily entgegnet, diese Hoffnung müsse er enttäuschen.


Wir sind überzeugt, dass Schily fürs Publikum kalt, arrogant und berechnend gewirkt hat. Denn Schily kennt keine Selbstkritik - ganz im Gegenteil. Wer die Rede verfolgen konnte, erkannte Schilys Taktik: Es war ihm gelungen, mit Langwierigkeit den Ausschuss auszubremsen.




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